Chappie

Neill Blomkamp konnte nach geplatztem „Halo-Deal“ vor einigen Jahren mit District 9 durchstarten und sowohl Zuschauer, als auch Kritiker von sich überzeugen. Was folgte war ein erneuter Sci-Fi FIlm, dieses Mal mit Starbesetzung, dafür aber umso enttäuschender. Sogar Blomkamp selbst spricht heute davon, Elysium sprichwörtlich versaut zu haben.
Nach wochenlangen Spekulationen über eine Blomkamp-Alien Adaption und ein mögliches District 9 Sequel kommt nun „Chappie“ in die deutschen Kinos.
Bleibt abzuwarten, ob Blomkamp anknüpfen kann, wo er mit District 9 aufgehört hat, oder ob er in zwei Jahren erneut von einem missglücktem Projekt sprechen wird.

Die Technik ist im Jahre 2016 so weit fortgeschritten, dass vollständig automatisierte Roboter herstellbar sind. Die sogenannten „Scouts“ kommen neuerdings im südafrikanischem Johannesburg zum Einsatz und sollen auf den Straßen der Großstadt für Recht und Ordnung sorgen. Deon Wilson (Dev Patel), der Entwickler dieser technischen Wundermaschinen möchte aber noch einen Schritt weitergehen: Nicht nur der Körper soll dem des menschlichen Vorbilds ähnlich funktionieren, auch ein Verstand, eine Art Seele soll die zahlreichen Roboter zu selbstständigen Wesen werden lassen.
Sowohl Chefin Michelle Bradley (Sigourney Weaver), als auch der erfinderische Gegenspieler Vincent Moore (Hugh Jackman) sind von dieser Idee herzlich wenig überzeugt. Vincent zieht es sogar in die genau entgegengesetzte Richtung und hat einen überdimensionalen Kampfroboter gebaut, der ausschließlich von Menschen gesteuert werden kann.
Vorerst verstaubt dieser jedoch im Labor..

Damit haben wir einen spannenden Storyaufbau, zwei schlaue Köpfe versuchen sich gegenseitig den Schneid abzukaufen. Stellen ihre gegensätzlichen Ideen der zukünftigen Sicherheitskontrolle auf die Probe. Falsch gedacht.

Recht schnell betritt die Gangsterbande um Yo-Landi und Ninja (verkörpert von der südafrikanischen Band „Die Antwoord“) die Bildfläche. Die beiden stecken tief in Schwierigkeiten und müssen dem lokalen Gangsterboss eine schier unerschwinglich scheinende Summe zurückzahlen. In Folge dessen entschließt sich die Truppe einen Scout zu hacken und so einen großen Überfall in die Wege zu leiten. Passenderweise hat Deon sich just in den Kopf gesetzt den Traum eines menschlichen Roboters auf eigene Faust in die Tat umzusetzen und so kidnappen die Gangster Wissenschaftler mitsamt Roboter und zwingen ihn dazu das eigenständige Wesen für ihre Zwecke zu missbrauchen.
Die Entscheidung die beiden Musiker in die Hauptrollen zu versetzen ist schwer nachvollziehbar. Yo-Landi und Ninja – die sich quasi selbst verkörpern, die Namen sind zumindest identisch – sind durchgehend so „Over the Top“ und hektisch, dass dies gepaart mit einer recht schlechten Schauspielleistung den Zugang zu den Charakteren komplett verbaut. Zu keinem Zeitpunkt liegen die Figuren einem wahrhaftig am Herzen. Das liegt zum einen an der beachränkten spielerischen Fähigkeit der beiden, zum anderen auch daran, dass die Charaktere auch im Chappie-Universum einfach unglaublich unsympathische Mistkerle sind.  Am Ende des Tages geht es ihnen einzig und allein darum, den Roboter für ihre Zwecke auszunutzen, und zu diesem Zweck greifen sie auch zu drastischen Methoden.
Gemischt mit einer extremen „Shaky-Cam“ und wirrem Schnittgewitter vermittelt das Gesehene oft eher das Gefühl man würde ein „Die Antwoord“-Musikvideo schauen und keine Multimillionendollarproduktion, erst recht wenn in regelmäßigen Abständen auch noch die freakige Musik besagter Band als Soundtrack erklingt.
Auch insgesamt ist der Soundtrack eher schwach ausgefallen, der beliebte Meister seines Fachs Hans Zimmer findet hier nicht den richtigen Ton. Wie von ihm gewohnt baut er einen epischen Klangteppich auf, der weitestgehend große Emotionen entfachen soll. Diese Bemühungen wirken jedoch so krampfhaft und irgendwie einfach schon bekannt –  und das in besserer Form – , dass die musikalische Untermalung eher einen negativen Nebeneffekt mit sich bringt.

Natürlich ist nicht alles schlecht an Chappie, er hat durchaus seine Momente. Der superb animierte Roboter wirkt derart plastisch und mitten im Geschehen, dass man gerne fast vergisst nur einen computergenerierten Roboter auf der Leinwand zu sehen.
Und als er anfängt Bücher und die Kunst für sich zu entdecken oder mit einer kleinen Puppe vor sich her spielt ist das herzerwärmend und zeigt die Ansätze, auf die man doch eigentlich hoffte. Allgemein würde ich Sharlto Copley, dem Mimikengeber des titelgebenden Roboters, den meisten Kredit für seine darstellerische Arbeit geben. Wie er es schafft dem „Kleinkind-Roboter“ Leben einzuhauchen hat teilweise Respekt verdient und formt schlussendlich den einzigen Charakter, der einem wirklich am Herzen liegt.
Doch leider geht Blomkamp auch hier zu weit. Anfangs noch recht witzig anzusehen wie Chappie die Verhaltensweisen der klischeehaften Gangster adaptiert, verkommt sein Verhalten nach und nach zu einem Klamauk, der einen die Haare raufen lässt.
So bekommt er im Laufe des Films Tattoos, unzählige goldene Ketten mit Dollarzeichen um den Hals und redet auch wie ein waschechter Stereotyp-Gangster. Dieser Gag zündet spätestens nach dem zweiten Mal nicht mehr und mutet eher peinlich an.

Die so oft einfließenden Einflüsse der Apartheid sind deutlich auch in diesem Film zu spüren. Wie schon in District 9 (nur weit weniger stark ausgeprägt) kommt hier in gleicher Weise Kritik an der Menschheit auf. Daran, wie der Mensch andere Lebensformen (nicht) akzeptiert und letztendlich auch gewalttätige Maßnahmen ergreift, um sich gegen das Unbekannte zur „Wehr“ zu setzen.
Dennoch passiert mir in dieser Hinsicht zu wenig, massig Potential wurde liegen gelassen, ob des Gedankens einer menschennahen Maschine, die sich im normalen alltäglichen Umgang mit richtigen Menschen auseinandersetzen muss. Allzu selten wird Chappies Andersartigkeit genügend ausgeleuchtet, Gedanken über das schwarze Schaaf ausgesprochen und die Angst vor der Endlichkeit genügend thematisiert. Gedanken, die ein selbstständig denkendes Individuum doch eigentlich ausmachen, werden hier nur sehr vage angeschnitten.  Bleibt abzuwarten wie der ebenfalls bald erscheinende „Ex Machina“ diese Aufgabe löst.
Allgemein beschleicht einen recht oft das Gefühl zahlreiche Versatzstücke schon in anderen Filmen gesehen zu haben. Am Ende klaut Blomkamp nicht nur bei sich selbst, sondern auch bei anderen Genremitstreitern 
à la „Robocop“ (der riesige Kampfroboter ist beispielsweise eine 1:1 Kopie).

Dass zwei eher untalentierte Charaktermimen hier die meiste Screentime inne halten ist umso unverständlicher, da die Produktion mit Stars wie Hugh Jackman oder Sigourney Weaver aufwarten kann. Die beiden werden nämlich vollkommen verheizt, verkommen fast zu Statisten, die nur hier und da wieder auftauchen, um die Geschichte wieder ein wenig ins Laufen zu bekommen.
Die gebotene Action ist jedoch nett anzuschauen und auch wenn die Story an der ein oder anderen Stelle vielleicht einen Schlenker zu viel nimmt und gegen Ende definitiv zu plakativ wird, fühlt man sich zwischenzeitlich doch recht gut unterhalten.
Nichts desto trotz ist man fast froh, wenn der  2-stündige Film schließlich sein Ende findet.
Keine Katastrophe wie „Elysium“, bleibt aber trotzdem weit hinter den Wunschvorstellungen eines Werks in der Kategorie „District 9“ zurück.


„Leider bleibt sowohl inhaltlich, als auch inszenatorisch einiges Potential auf der Strecke. Schlechte Charakterzeichnung und partieller „Musikvideo-Look“ dämpen den Spaß erheblich.“

Bewertung: 2,5/5


© Sony Pictures Releasing GmbH

© Sony Pictures Releasing GmbH

Regisseur: Neill Blomkamp

Schauspieler:  Sharlto Copley, Dev Patel, Hugh Jackman
Laufzeit:  120 min
Erscheinungsdatum: 05.03.2015

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