Sweet Tooth Volume 1 – Out of the Woods

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich ein neues Medium für mich entdeckt: den Comic. Lange an mir vorbeigegangen und eher Randerscheinung, in der Popkultur oft abgetan als Nerdkram oder Unterhaltung für Kinder, stand letztes Weihnachten dann ein doch recht spezieller Wunsch auf der Wunschzettel.
Batman The Court of Owls wurde mein erster Kontakt zu dieser neuen Welt – und ich ziemlich begeistert. Schnell war ich angetan von kunstvollen Zeichnungen, dem Ausdruck, den dieses Medium – wie vielleicht kein anderes – schaffen kann. Ein Hybrid aus Buch und Film, angenehm in der Handhabung und irgendwie einfach faszinierend.

Mit der Zeit ist die Neugierde größer geworden, ich wollte Geschichten abseits von Superhelden erleben, gucken was das Comicuniversum zu bieten hat. Was soll ich sagen? Die Auswahl ist gigantisch, so gigantisch sogar, dass man als Neuling förmlich erschlagen wird von verschiedensten Serien von unbekannten Künstlern, Paralleluniversen und Bandreihen, die mit etlichen Ausgaben schon keine andere Bezeichnung mehr zulassen als die eines Epos.
Über kurz oder lang bin ich auf Sweet Tooth gestoßen, hab nicht viel mehr gesehen, als das besonders interessant gestaltete Cover und habe blind bestellt; ich wurde nicht enttäuscht. Weiterlesen

The Duke of Burgundy

Der offene Umgang – und die damit einhergehende Auslebung – von speziellen sexuellen Vorlieben ist dieser Zeiten medial so allgegenwärtig wie vielleicht nie. 50 Shades of Grey formte nicht nur eins der erfolgreichsten Bestseller überhaupt, auch die dazugehörige Romanverfilmung ließ die Kinokassen klingeln, auch wenn der erwartete Skandalfilm ausblieb. 
The Duke of Burgundy macht sich ebenfalls den Fetisch zum Thema, nimmt ihn aber eher als Grundstein einer Beziehungsanalyse, erzeugt dabei einen Sog von Verlangen und Erwartung in einer Art Abwärtsspirale.


Die junge Frau Evelyn (Chiara D’Anna) macht sich per Rad auf den Weg zu einem groß anmutenden Anwesen, trägt die Kleidung einer Bediensteten und wirkt nervös, als sie die Klingel ertönen lässt. Die Hausherrin Cynthia (Sidse Babett Knudsen) öffnet die Tür, verweist recht harsch auf die noch zu verrichtenden Arbeiten. Die offensichtlich eingeschüchterte junge Dame lässt sich erniedrigen. Schnell werden die sich abspielenden Szenen unangenehm, wann ist die unsichtbare Grenze von Selbstachtung überschritten? Wie weit kann das Spiel von Erniedrigung und Lust getrieben werden?
Doch es ist ganz anders als es scheint, Gesehenes entpuppt sich als eingefädeltes Spiel zwischen zwei Liebenden. Gegen Ende des Tages kehrt Intimität ein, die beiden Frauen liegen Arm in Arm im gemeinsamen Bett, gestehen sich ihre Liebe. Weiterlesen

Der Marsianer

Es ist durchaus ein Privileg im Jahre 2015 das Kino zu besuchen und den neusten Streich des Künstlers hinter Klassikern wie Alien oder Blade Runner sehen zu können. Die Werke der letzten Jahre ließen jedoch zu Wünschen übrig. Promotheus konnte den Anforderungen als sich nahtlos eingliedernder Teil der Alien-Saga nicht genügen, Exodus ging gar sang- und klanglos im Einheitsbrei der Blockbuster-Sommer unter.
Jetzt steht Scott mit Der Marsianer auf der Matte, bringt eine durchaus beliebte und gehaltvolle Literaturvorlage auf die große Leinwand und sorgt für Furore. Kritiker loben durchgehend über den grünen Klee, Kinobesucher scheinen begeistert den neuen Publikumsliebling 2015 zu formen.

Mark Watney (Matt Damon) ist Teil der Marsmission „Ares-3“. Lange vor dem eigentlich geplanten Aufbruch Richtung heimatlichem Planeten Erde, bricht ein Sandsturm aus, die aufgebauten Unterkünfte – und damit die komplette Crew – stehen in Gefahr. Kurz vor dem endgültigen Entschluss, die Mission abzubrechen und via Raumkapsel in die Weiten des Weltalls zu flüchten, wird Watney getroffen und von der restlichen Besatzung abgekapselt.
Im Glauben, der getroffene Mann könne unter keinen Umständen überlebt haben, suchen die Kollegen das Weite und lassen den vermeintlich leblosen Körper auf dem fremden Planeten zurück.
Doch sie irren. Watney hat überlebt, sucht einen Weg, sein Überleben zu sichern und sucht den Weg zu seiner Millionen Kilometern entfernten Heimat. Weiterlesen

Sicario

Denis Villeneuve avanciert in den letzten Jahren zu etwas wie einem Garanten für spannende, hochwertig in Szene gesetzte Thriller. Zuletzt konnte er mit Prisoners überzeugen und sich dank der Präsenz von erstklassigen Hollywood-Stars wie Hugh Jackman und Jake Gyllenhaal auch in das Bewusstsein der breiten Masse zwängen. Wo sich das Kinojahr 2015 nun langsam wieder dem Ende neigt, steht Villeneuve pünktlich in den Startlöchern, um mit anderen Oscaranwärtern um einen Platz an der Sonne zu buhlen.
„Von Denis Villeneuve Regisseur von Prisoners“ heißt es im Trailer zu seinem neusten Streich. Pure Marketingstrategie oder schafft der Kanadier es, dem ihm hier auferlegten Status gerecht zu werden?

Schon seit Jahren wird die amerikanisch-mexikanische Grenze geprägt von ausufernden Drogenkriegen. Als ein vom Drogenkartell ausgeführter Massenmord aufgeklärt wird, stößt die FBI-Agentin Kate Macer (Emily Blunt) zu einer internationalen Einsatzgruppe, um den ausufernden Gewalttaten der mexikanischen Drogenbosse auch fernab der amerikanischen Grenzen Einhalt zu gebieten. Die Methoden der Mannschaft rund um Matt Graver (Josh Brolin) und dem mysteriösen Alejandro (Benicio Del Toro) sind jedoch alles andere als lupenrein.
Es dauert nicht lange, bis Kate sich nicht mehr sicher sein kann, wirklich „das Richtige“ zu tun.
Sie beginnt ihre neuen Kollegen und ihre ganze Operation zu hinterfragen.

Villeneuve versteht sein Handwerk, besonders in technischer Hinsicht strahlt Sicario von der ersten Minute an eine unglaubliche Potenz aus, die zeitweise in minutenlangen, fast unerträglich spannenden Sequenzen gipfelt. Die erneute Zusammenarbeit – nach besagtem Prisoners – mit dem hervorragenden Cinematographen Roger Deakins trägt Früchte. Wirklich wundervolle Momentaufnahmen und eine durchgehend superbe Cinematographie lassen das Herz vor Freude höher schlagen, wirklich herausragend ist optisch dann die Aufbereitung der Nachtszenen, die ich in der Art bisher noch nicht zu sehen bekommen habe. Weiterlesen

Höhere Gewalt

Eine junge schwedische Familie entscheidet sich, einen gemeinsamen Skiurlaub zu verbringen, um die Familie wieder näher zusammen zu bringen, nachdem der Familienvater Tomas kürzlich unter der Arbeitslast zu leiden scheint. Anfangs läuft alles nach Plan, es werden Fotos für die Ewigkeit geschossen, bevor die gemeinschaftliche Abfahrt bevorsteht. 
Zu Mittag werden die Beteiligten dann Zeuge eines Naturspektakels. Eine eigentlich kontrollierte Lawinensprengung scheint ungeplanten Weg einzuschlagen, rollt bedrohlich auf die Terrasse und die kleine Familie zu. Panik bricht aus. Doch statt seine Kinder inklusive Frau in Sicherheit zu bringen, greift das Oberhaupt der Familie kurzerhand zum Mobiltelefon und entflieht der Szenerie. Eine Entscheidung, die Folgen mit sich bringt. 

Das Gefüge innerhalb der Familie scheint anfangs intakt. Friedlich liegen die Kleinen Harry und Vera zwischen ihren Eltern im Bett und faulenzen noch trunken vom Schlaf im Bett. Einzig das Handy von Tomas scheint die friedliche Stille zu stören. Wie die perfekte Bilderbuchfamilie drapiert, werden die Urlauber wenig später in voller Skimontur von einem professionellem Fotografen festgehalten. Alle lächeln zu besonders inszenierten Posen.
Wenn Ebba sich die Bilder am Ende des ersten Tages anschaut, verharrt ihr Blick am längsten auf einer Aufnahme, auf der ausschließlich Sie und ihr Mann zu sehen sind. Ihr Mund verformt sich zu einem Lächeln. Sie scheint glücklich mit Ihrem Mann, einem Mann der ihr zur Seite steht. Weiterlesen

Kürzlich gesehen, kürzlich begeistert

Momentan komme ich nicht dazu, mich mal wieder ausführlich mit einem Film auseinanderzusetzen. Das Semester steht grade wieder in den Startlöchern, so findet man sich morgens um acht plötzlich im Hörsaal zwischen dutzenden schlafenden oder vielleicht nur so wirkenden Studenten wieder. So schön freie Zeiten sind, der Mensch braucht letztlich doch ein Ziel, auf das er hinarbeitet.
Abgesehen davon schaue ich zwar auch momentan etliche Filme, habe aber oft das Gefühl, eine Besprechung würde eher halbgar werden, als wirklich schön. Deshalb gehe ich diesem Gefühl dann doch gleich nach und stelle euch eine handvoll Filme vor, die mich in letzter Zeit begeistern konnten, auf halbgare Weise versteht sich. Netflix sei Dank.
Trailer sind abermals mit einem Klick auf die Titel zu erreichen.
PS: Falls zwischen euch Lesern begeisterte Letterboxd-User sind, könnt ihr mir auch gerne dort folgen, ich finde das System super und bin selber immer wieder froh, durch Freunde auf spezielle Filme aufmerksam gemacht zu werden.

  • New World – Park Hoon-Jung
    Ich habe mich vor einiger Zeit entschieden, auch dem asiatischen Kino ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Oft bin ich begeistert von der Ästhetik, einer besonderen Bildsprache. Die Zutaten sind einem bekannt, finden in ihrer fertigen Rezeptur aber seinen ganz eigenen Geschmack. Weiterlesen

Whiplash

Bei den diesjährigen Oscarverleihungen hat der recht unbekannte Damian Chazelle für ordentlich Furore gesorgt. In gleich fünf Kategorien war sein „Whiplash“ nominiert – darunter auch in der wohl interessantesten Kategorie „Bester Film“ – und konnte letztlich mit befriedigenden drei Preisen das Feld räumen. 
Sein nun zweiter dem Jazz gewidmeter Film basiert auf dem gleichnamigen, ebenfalls der Regie Chazelle’s unterliegenden Kurzfilms „Whiplash“,  und vermag durchaus zu begeistern.

Andrew (Miles Teller) versucht auf der besten Musik-Schule seiner Art Fuß zu fassen und die Aufmerksamkeit des wohl berühmt-berüchtigsten Lehrer der Schule zu gewinnen. Als Neuankömmling im ersten Semester ist er eigentlich dazu verdonnert, mehr zuzuschauen, denn wirklich aktiv teilzuhaben am Geschehen. Doch als Fletcher (J.K. Simmons) den ambitionierten, jungen Musiker Abends üben sieht, eröffnet sich eine Chance, die Andrew am Schopfe zu packen versucht.  Weiterlesen

Still Alice

Nachdem Schweiger’s Beitrag „Honig im Kopf“ zum Thema Demenz und Alzheimer die Kinokassen vor einiger Zeit nur so klingeln ließ, läuft mit „Still Alice“ nun ein Film mit gleichem Thema an. Doch schon anhand des Trailers ist auszumachen, dass die beiden Filme bis auf die Grundthematik wohl recht wenig verbinden würde. Hier wird ein härterer Ton eingeschlagen, die Dramatik einer solchen Krankheit stärker ausgearbeitet und das weitestgehend ohne zeitgleich auch die Lachmuskeln in Anspruch zu nehmen.
Getragen von einer Oscar-Auszeichnung für Julianne Moore stellen sich so recht hohe Erwartungen ein und zeitgleich die Frage, wie „Still Alice“ es schafft das doch recht empfindliche Thema Demenz darzustellen.

Alice Howland (Julianne Moore) führt ein glückliches Leben. Sie ist eine angesehene Linguistik-Professorin, führt eine glückliche Ehe mit ihrem ebenfalls erfolgreichem Ehemann (Alec Baldwin) und ist Mutter von drei mittlerweile erwachsenen Kindern.
Doch dann kommt die Horror-Diagnose: Sie leidet an einer speziellen Form von Alzheimer. Was nun folgt ist der verzweifelte Kampf gegen das Vergessen. Alice’s Versuch ihre Identität zu wahren.

„Ich wünschte ich hätte Krebs.“

Sätze wie diesen hört man selten in FIlmen. Wohl eher überhaupt nicht. Und doch spiegelt allein diese Aussage die volle Dramatik der dargestellten Situation wieder. Es ist vielleicht die größte Angst des Menschen seine Vergangenheit zu vergessen. Schöne Zeiten, dramatische Erlebnisse, alles scheint zu verblassen und hinterlässt eine leere Hülle. Raubt der Persönlichkeit den Zauber, der ihn letztens ausmacht. Weiterlesen

The Salvation

Kaum ein Genre war lange Zeit so totgesagt wie der Western. Die Glanzzeiten sind vorüber, Zeiten in denen Clint Eastwood grimmig gegen die Sonne starrt und schlussendlich triumphierend Richtung Horizont reitet.
Aber nachdem Filme wie „Erbarmungslos“, „3:10 to Yuma“ oder „True Grit“ der beiden Coen-Brüder in den letzten Jahren gezeigt haben, dass Western auch heutzutage noch Spaß machen können, hat sich der den meisten wohl unbekannte Däne Kristian Levring entschieden seinen eigenen Genrebeitrag abzuliefern.
Bezeichnend, dass einer der besten Western der letzten Jahre in Dänemark und eben nicht der amerikanischen Filmeschiede aus Hollywood ensteht, ist der Western mit seinen Cowboys doch eigentlich der amerikanische Superheldenfilm der Vergangenheit.
Passenderweise lässt Levring seinen Helden durch den momentan sehr angesagten Landsmann Mads Mikkelsen verkörpern und generiert dadurch eine Aufmerksamkeit, die der Film allemal verdient.  

Nach siebenjähriger Trennung empfängt der Einwanderer Jon (Mads Mikellsen) sehnsüchtig Frau und Kind. Lange Zeit hat es gebraucht, um sich zusammen mit Bruder eine Existenz im Land der großen Möglichkeiten aufzubauen. Doch die Idylle ist nicht von langer Dauer. Zwei finster dreinschauende Ganoven teilen sich eine Kutsche mit der just wiedervereinten Familie. Ärger ist vorprogrammiert und es dauert nicht lange, bis der friedliche Einwanderer aus der Kutsche verbannt wird und Stunden später erst sein Sohn und schlussendlich auch seine Frau tot in seinen Armen liegt. Jon sinnt auf Rache, doch damit ist der örtliche Bandenführer alles andere als einverstanden. Weiterlesen

Fruitvale Station

Bei der ständigen Flut von News und schlechten Nachrichten stumpft man als Leser schnell ab. Wir vergessen das hinter jeder Schlagzeile, hinter jeder Tragödie nicht nur ein Artikel, sondern ein echter Mensch steckt. Ein Mensch mit Familie, mit Problemen und mit Träumen.
So auch bei Oscar Grant, vor einigen Jahren kam er zu schauerlichem Ruhm. In einem Missverständnis wurde auf ihn geschossen. Ryan Coogler nahm diese Geschichte als Anlass sein Regiedebut auf die Beine zu stellen und hat damit einen herzzerreißenden Film über Menschlichkeit und Missstände in den USA geschaffen.
Deutlich merkt man, wie involviert der Regisseur selbst in die Geschichte ist. Auch er ist ein Afroamerikaner, auch er ist in der entsprechenden Gegend aufgewachsen. Infolgedessen schaffte er ein überaus authentisches Werk. Doch ohne mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, ohne die Schuld speziell einer Person zuzuschieben, aber doch auf das Problem aufmerksam zu machen. Keinem Problem das nur die Afroamerikanischen Bevölkerung anspricht, sondern die Menschlichkeit. 

Der Film beginnt mit einer Originalaufnahme der Geschehnisse. In schrecklicher Handyqualtität sehen wir eine handvoll junger Männer auf dem Boden sitzend. Vor ihnen stehen ein paar Polizisten und hindern diese am Entschwinden der aktuellen Situation. Es wirkt furchtbar hektisch, es wird geschrien, man versteht kaum ein Wort, bis scheinbar etwas passiert. Meschen bewegen sich, ebenso die Stimmen, ein kleines Gemenge entsteht. Plötzlich hört man einen Schuss. Das Bild wird schwarz. Nur noch erschrockene Rufe sind zu hören. Weiterlesen