The Salvation

Kaum ein Genre war lange Zeit so totgesagt wie der Western. Die Glanzzeiten sind vorüber, Zeiten in denen Clint Eastwood grimmig gegen die Sonne starrt und schlussendlich triumphierend Richtung Horizont reitet.
Aber nachdem Filme wie „Erbarmungslos“, „3:10 to Yuma“ oder „True Grit“ der beiden Coen-Brüder in den letzten Jahren gezeigt haben, dass Western auch heutzutage noch Spaß machen können, hat sich der den meisten wohl unbekannte Däne Kristian Levring entschieden seinen eigenen Genrebeitrag abzuliefern.
Bezeichnend, dass einer der besten Western der letzten Jahre in Dänemark und eben nicht der amerikanischen Filmeschiede aus Hollywood ensteht, ist der Western mit seinen Cowboys doch eigentlich der amerikanische Superheldenfilm der Vergangenheit.
Passenderweise lässt Levring seinen Helden durch den momentan sehr angesagten Landsmann Mads Mikkelsen verkörpern und generiert dadurch eine Aufmerksamkeit, die der Film allemal verdient.  

Nach siebenjähriger Trennung empfängt der Einwanderer Jon (Mads Mikellsen) sehnsüchtig Frau und Kind. Lange Zeit hat es gebraucht, um sich zusammen mit Bruder eine Existenz im Land der großen Möglichkeiten aufzubauen. Doch die Idylle ist nicht von langer Dauer. Zwei finster dreinschauende Ganoven teilen sich eine Kutsche mit der just wiedervereinten Familie. Ärger ist vorprogrammiert und es dauert nicht lange, bis der friedliche Einwanderer aus der Kutsche verbannt wird und Stunden später erst sein Sohn und schlussendlich auch seine Frau tot in seinen Armen liegt. Jon sinnt auf Rache, doch damit ist der örtliche Bandenführer alles andere als einverstanden.

Verschwommen sehen wir einen Bahnhof. Menschen wuseln durchs Bild, es herrscht Hochbetrieb, doch es lassen sich keine Gesichter ausmachen. Die Personen bleiben schemenhaft, sind nur Statisten. Bis zwei Personen in der Bildmitte platziert sind – es sind Jon und sein Bruder Peter (Mikael Persbrandt) – und sich das Bild langsam verfestigt. Ohne großartigen Freudentaumel empfängt Jon Frau und Kind, wie so oft lassen nur Nuancen Mikkelsen’s Schauspiels Emotionen erkennen.
Als die Kamera der frisch vereinten Familie ruhig durch den Bahnhof folgt, wirkt das wie ein Eintritt in eine neue Welt. Das triste Gebäude lassen wir hinter uns und sehen nun eine kleine, fein in Szene gesetzte Ortschaft vor unseren Augen. Wunderbares Western-Feeling kommt auf und lässt schon jetzt erahnen, dass Regisseur Levring sich durchaus versteht das Spektakel auf angebrachte Art und Weise in Szene zu setzen.
Ob weite, staubige Prärie oder abenteuerliche Ritte durch die Dunkelheit, die Cinematographie und Kameraführung sind wunderbar und machen unglaublichen Spaß. Fast greifbar wirkt das Geschehen, wenn Staub aufgewirbelt wird und Pferde Richtung Sonne reiten.

Natürlich ist der Film nicht frei von Klischees, als eine Hommage an große Western funktionieren die Mechaniken wie allseits bekannt. Letztenendes haben wir es mit einer ziemlich gradlinigen Rachegeschichte zu tun, ohne große Überraschungen oder unerwartete Schlenker. Der Film lässt keine Zweifel aufkommen, ob seiner Intentionen und erzählt seine Geschichte konsequent zu Ende. Dabei wird mit einer angenehmen Härte vorgegangen, schafft es dabei nicht zum Slapstick-Gemetzel oder reinem Schießbuden-Lauf zu verkommen.
Die sonst so allgegenwärtigen Themen von Aufbruch und Missständen zwischen Ureinwohnern und Gründungsvätern werden kaum oder nur sehr vage angedeutet, für besagte Geschichte ist das aber auch nicht nötig, ja wäre wohl sogar deplatziert.
Interessant wiederum war anzusehen, wie die wohl amerikanischste Mythengestalt – der Cowboy – hier nicht der unsägliche Held ist. Ganz im Gegenteil, die meisten amerikanischen Bürger werden als verängstigte oder untätige Bewohner dargestellt, während es sich ausgerechnet ein Däne zur Aufgabe macht die kleine Stadt vor seinen Peinigern zu retten. Ähnlich wie der dänischer Regisseur Levring es sich selbst zur Aufgabe macht, den Western wieder Salonfähig zu machen.

Mikkelsen verkörpert den recht wortkargen Helden wie so oft mit einer fast einschüchternden Präsenz. Immer wieder faszinierend anzusehen, wie dieser Mann es zustande bringt mit marginalem Spiel komplette Szenen an sich zu reißen. Wenn auch der Rest des Casts durchgehend einen sehr guten Job machen – allen voran Bruder Peter weiß in seinen kurzen Auftritten zu überzeugen – schafft Mikkelsen’s Spiel eine besondere Art Aura auf die Leinwand zu bringen.
Etwas weit hergeholt vielleicht, doch auf eine besondere, eigene Manier erinnerte mich das Gesehene teilweise an ein „Drive“ im Westerngewand. Mit Pferden statt Autos und Karabinern anstelle von neuartigen Maschinenpistolen. Kühl, aber optisch fantastisch in Szene gesetzt.
Gekonnt sprühen einzelne doch recht wortkarge Dialoge nur so vor Spannung und schlagen einen schönen Bogen, bis sich sämtliche Unruhen zu entladen scheinen.

Eine angenehme Erweiterung zum altbekannten Western-Rezept ist die Ausarbeitung der mysteriösen, stummen Madelaine (Eva Green), die sich mit einer riesigen Narbe und einer Tätowierung versucht in einer von Männern dominierten Welt zur Wehr zu setzen. Nicht immer erfolgreich, aber letztlich doch auf dem Weg eine coole (Anti-)Heldin zu etablieren.
Was am Ende bleibt, ist ein wenig überraschender, aber dafür umso konsequenter zu Ende erzählter Western, der einen Heidenspaß macht. „The Salvation“ kann als Hommage an Vorbilder aus vergangenen Tagen erkannt werden, kommt aber kühler und zeitgemäßer daher. Allein die optische Inszenierung ist schon seine Sichtung wert.


„Wundervoll inszenierter Western, der eine wenig überraschende Geschichte erzählt. Diese wird dafür aber umso konsequenter mit einer angemessenen Portion Härte zu Ende gebracht.“  

Bewertung: 4,5/5


© Concorde Filmverleih GmbH

© Concorde Filmverleih GmbH

Regisseur: Kristian Levring

Schauspieler:  Mads Mikkelsen, Eva Green, Jeffrey Dean Morgan
Laufzeit: 92 Minuten
Erscheinungsdatum: 09.10.2014

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15 Gedanken zu “The Salvation

  1. Das mit der wenig überraschender Geschichte stimmt natürlich. Ist aber wenn man ehrlich doch jeher Teil eines guten Westerns, oder? 😉
    Ich fand den Film auch grandios. Lustiger Weise mag ich eigentlich weder Western, noch den „Scandinavian Style“ in Filmen aus dem Norden. Aber die Mischung passt hier einfach. Und nebenbei: Filme Mads Mikkelsen sind sowieso oft eine Sichtung wert 😉

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