Kürzlich gesehen, kürzlich begeistert

Momentan komme ich nicht dazu, mich mal wieder ausführlich mit einem Film auseinanderzusetzen. Das Semester steht grade wieder in den Startlöchern, so findet man sich morgens um acht plötzlich im Hörsaal zwischen dutzenden schlafenden oder vielleicht nur so wirkenden Studenten wieder. So schön freie Zeiten sind, der Mensch braucht letztlich doch ein Ziel, auf das er hinarbeitet.
Abgesehen davon schaue ich zwar auch momentan etliche Filme, habe aber oft das Gefühl, eine Besprechung würde eher halbgar werden, als wirklich schön. Deshalb gehe ich diesem Gefühl dann doch gleich nach und stelle euch eine handvoll Filme vor, die mich in letzter Zeit begeistern konnten, auf halbgare Weise versteht sich. Netflix sei Dank.
Trailer sind abermals mit einem Klick auf die Titel zu erreichen.
PS: Falls zwischen euch Lesern begeisterte Letterboxd-User sind, könnt ihr mir auch gerne dort folgen, ich finde das System super und bin selber immer wieder froh, durch Freunde auf spezielle Filme aufmerksam gemacht zu werden.

  • New World – Park Hoon-Jung
    Ich habe mich vor einiger Zeit entschieden, auch dem asiatischen Kino ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Oft bin ich begeistert von der Ästhetik, einer besonderen Bildsprache. Die Zutaten sind einem bekannt, finden in ihrer fertigen Rezeptur aber seinen ganz eigenen Geschmack.
    New World handelt von einem Polizisten, der in die wohl größte kriminelle Organisation des Landes infiltriert wurde. Der Kopf dieser kriminellen Bande findet seinen verfrühten Tod, wenig verwunderlich ruft dies einen Kampf um die nun unbesetzte Machtposition aus. Doch auch die Polizei weiß sich zu helfen und spielt das dreckige Spiel mit, voller Intrigen, voller Verrat, aber auch voller Liebe.
    Der Film hat es geschafft mich lange Zeit im Unklaren zu lassen, Stück für Stück wird einem als Zuschauer ein kleiner Happen des ganzen Puzzles hingeworfen, geschaut, ob das Publikum es schafft, hinter die Facetten zu blicken. Wir haben es mit vielen doppelten Böden zu tun, viele Charaktere sind vielschichtig, nicht so leicht zu erfassen, wie man anfangs vielleicht meint. Sie verändern sich, Grenzen verschwimmen, wenn die Polizei teilweise nicht minder korrupt und mindestens gleichwertig hinterhältig agiert, wie die eigentlichen Schufte. Eine schlichtweg wunderbare Visualität und teilweise knallharte – wenn mir persönlich stellenweise ein wenig zu hektische – Action runden das Ganze wunderbar ab und formen einen der unterhaltsamsten und spannendsten Thrillern, den ich seit einiger Zeit sehen durfte.
  • Mary und Max – Adam Elliot
    Ein kleiner, feiner Stop-Motion Animationsfilm fernab von buntem Quitsch und pompösen Actionfeuerwerken wie „The Lego Movie“, aber doch faszinierender, schöner, für mich einfach ein besserer Film.
    Die Protagonisten sind – wer hätte es gedacht – Mary und Max. Mary ist ein kleines Mädchen, lebt in Australien und muss sich durch ihre eigene, kleine Welt schlagen. Voller skurriler Gestalten, voller Schwierigkeiten, sie ist ein Außenseiter und entschließt sich eines Tages – mehr durch Zufall – Max in New York zu schreiben. Dieser eigenartige, erwachsene Mann lässt sich auf die Briefe ein, es entsteht eine Freundschaft um die ganze Welt.
    Dabei haben wir es definitiv mit einem Film für Erwachsene zu tun, nicht nur das Visuelle ist für Erwachsene mehr zuträglich, als für eine junge Zuschauerschaft. Hier werden äußerst erwachsene Themen aufgegriffen, aus einer kindlichen, auch aus einer leicht andersartigen Sichtweise bearbeitet. Es geht um Liebe, um Freundschaft, darum, dass man ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen sollte und in jedem vielleicht doch so merkwürdig wirkendem Individuum eine liebevolle, faszinierende Persönlichkeit steckt, die es Wert ist, entdeckt zu werden. Dies alles geschieht eher subtil, auf eine schöne Art und wirkt nicht aufgezwungen. Allein die Optik ist schlicht wunderbar. Wie schön die Figuren und Welten designed sind, New York in seinem beeindruckendem, aber auch stets grauen und erdrückendem Anblick als Kontrast zu dem eher ländlichen, freien, farbvollerem Australien fungiert. All das ist eine Augenweide, unterstützt zeitgleich die Aussage, die der Film machen möchte.
    Ein Film, der einen wehmütig und zufrieden zurücklässt. Mit einer Träne in dem einen Auge, mit einem Lächeln auf den Lippen.
  • Submarine – Richard Ayoade
    Und erneut ein Haufen skurriler Charaktere, hier in einer Coming of Age Geschichte. Oliver Tate hat sein Herz an die eigenartige Jordana verloren. Das trifft sich gut, denn wirklich normal ist Oliver ebenso wenig. Verpackt in einem unkonventionellen Stil (der sich definitiv als britisch zuordnen lässt), entfaltet sich eine teilweise sehr eigene Situationskomik. Die Charaktere sind allesamt verschroben, anders als jeder Mensch, den man in seinem Leben bisher kennenlernen durfte und doch besitzen sie alle den ein oder anderen Charakterzug, der dann doch an Freunde und Verwandte erinnern lässt. Der Film greift elementare Dinge der frühen Jugend auf, die Liebe, Sorgen um die Eltern, lernen mit Verantwortung umzugehen, Enttäuschung oder erste körperliche Begegnungen mit dem anderen Geschlecht. Findet dabei den richtigen Mittelweg zwischen Humor und dem ersten Kern. Submarine mag kein Film für die Ewigkeit sein, trifft aber mit seiner Melancholie – schön untermalt mit einem sehr passenden Soundtrack, seinem Witz, seiner Optik meinen Nerv. Ich hatte eine gute Zeit.

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2 Gedanken zu “Kürzlich gesehen, kürzlich begeistert

    • Wundervoller kleiner Film. 🙂
      Grade gestern den vorangegangenen Kurzfilm Harvie Krumpet gesehen. Auch schön, sehr ähnliche Thematiken, wenn auch ein klein bisschen weniger ausgefeilt. 20 Minuten kann man trotzdem auf jeden Fall schlechter verbringen. 🙂

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