The Spectacular Now

Die beiden Jungstars Miles Tanner und Shailene Woodley erfreuen sich in den letzten Jahren steigender Popularität. Der endgültige Durchbruch erfolgte dann 2014, Tanner konnte mit „Whiplash“ überzeugen während Woodley mit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ für Aufsehen und das eine oder andere feuchte Auge sorgte. 
In dem Science-Fiction-Spektakel „Die Bestimmung – Divergent“ konnte man die beiden auch schon gemeinsam auf der Leinwand bestaunen, dabei vergisst man schnell, dass es sich hierbei nicht um ihre erste Zusammenarbeit handelt. 
Ein Jahr zuvor spielten die beiden bereits in „The Spectecual Now“ zusammen, wurden jedoch nicht ausreichend beworben und gingen in Deutschland so wohl ungesehen an den meisten vorüber. Nach dem ordentlichen Karrierepush des letzten Jahres erreicht der Titel nun auch in Deutschland eine größere Aufmerksamkeit. 

Sutter (Miles Tanner) hat seine Freundin verloren, als Resultat eines unnötigen Streits hat sich Cassidy kurzerhand entschlossen, besser ohne ihre männliches Gegenstück auszukommen. Als er seine Ex auf der nächsten Party dann bereits von einem anderem Mitstreiter umgarnt sieht und sie ihm öffentlich die kalte Schulter zeigt, ertränkt Sutter seinen Kummer in Alkohol. Am nächsten Morgen liegt er völlig ohne Orientierung, dafür mit umso größeren Kopfschmerzen in Aimee’s (Shailene Woodley) Vorgarten. Nachdem diese erfolgreich prüft, ob der unbekannte Schlafende noch unter den Lebenden weilt, lernen sich die beiden kennen und fangen nach und nach an, Interesse aneinander zu entwickeln..

Held trifft auf Mauerblümchen. So einfach könnte man die Geschichte herunterbrechen, auch wenn es letztlich natürlich doch einiges mehr ist, als eben nur das. Und doch: In seinen Anfängen ist der Film sehr darauf bedacht, die Andersartigkeit der beiden Hauptakteure in Szene zu setzen. Während Sutter dauertrunken betont, immer der Star der Party zu sein und selbstbewusst regelrecht durch die Gegend stolziert, ist Aimee alles andere als aufbrausend und „spektakulär“. Sie hilft ihrer Mutter morgens um fünf in der früh die Zeitungen auszutragen, statt auf Partys ihr Unwesen zu treiben, ist eine zielstrebige Schülerin und verbringt ihre Freizeit auch sonst lieber ruhig mit Büchern.

Und doch scheinen die beiden Zuneigung zueinander zu entwickeln. Der Chaot zeigt Interesse für ihre Eigenheiten und bemüht sich in Aimee’s Welt einzudringen, auch wenn sein bester Freund ihm das ständig ausreden möchte. So nimmt Sutter Aimee mit auf eine Party und sorgt auch sonst für etliche „Erste Male“.
Leider will die Interaktion der beiden erst nicht so recht funktionieren. Anfänglich vielleicht ein wenig auf Zurückhaltung und Scheue zurückzuführen, wirken Sutter und Aimee statisch, fast ein wenig verkrampft. Als die beiden sich dann auch körperlich näher kommen, sitzen sie sich fast wie zwei Fremde gegenüber, lassen jegliche Leidenschaft vermissen und sorgen fast für ein wenig Fremdscham.
Trotzdem weiß die Geschichte in ihrem Fortlauf zu überzeugen. Viele Klischees werden umgangen, und das obwohl sich deren Nutzung geradezu anbietet.
Das Skript von den Schreibern hinter fantastischen Filmen wie „(500) Days of Summer“ ist angenehm nachvollziehbar und wirkt überaus authentisch. Es ist eine Geschichte wie das Leben sie schreibt.

Gegen Ende wird das Gesehene immer stärker, zeigt dass hinter einem Menschen mehr steckt als nur „Sein Ding“, wie Aimee im Verlauf des Films selber so schön sagt.
„The Spectacular Now“ wird mehr und mehr zu einem Film über Identitätskrisen, als nur eine kleine Romanze. So bleibt Sutter nicht nur der dauertrinkende Aufreißer, sondern entwickelt eigenständige Gedanken über sein Umfeld und seine Zukunft. Auf die Frage, ob er seinen Abschluss wirklich machen möchte, antwortet er trocken mit „Ich weiß es nicht“.
Auf der Schwelle zum Erwachsen werden müssen sich die Charaktere entscheiden, in welche Richtung sie ihr Leben lenken wollen. Ein Leben im „Hier und Jetzt“ ist für den Moment zwar wunderbar und macht unglaublichen Spaß, doch auch morgen gibt es ein „Jetzt“. Man muss sich entscheiden, welche Menschen man auf seinem Weg einpacken möchte. Wer einen für lange Zeit begleiten soll, wen man hinter sich lässt oder sogar enttäuschen muss. Eine große Rolle nimmt hier die Rebellion gegen und die Auseinandersetzung mit den eigenen Eltern ein.
Es ist schön zu sehen, wie Sutter und Aimee teilweise mit sehr ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Der selbstbewusste junge Mann bleibt dabei aber nicht zwingend immer der souveräne Tongeber, ist teilweise vielleicht sogar weniger tough, als er alle glauben lassen möchte.

Die Schule wird zur Vergangenheit und die Zukunft zeigt sich als große, weite Leere. Voller Möglichkeiten, voller Entscheidungen.
Der Film schafft es wunderbar das Gefühl dieses speziellen Lebensabschnittes einzufangen, einer Zeit, voller Veränderungen und Umbrüche, in der Träume für die Zukunft eine große Bedeutung haben. Zeigt dabei auch, wie sich zwei unterschiedliche Menschen ergänzen und letztlich voneinander lernen können.

Der restliche Cast wird von teilweise äußerst bekannten Gesichtern komplettiert, bleibt aber aufgrund der geringen Screentime trotzdem blass. So mimt der durch „Better Calls Saul“ ins Rampenlicht gerückte Bob Odenkirk Sutter’s Chef, hat aber in nur zwei kleinen Szenen kaum die Möglichkeit,  sein Können unter Beweis zu stellen.
Letztlich braucht der Film leider zu lange, um seine Charaktere zu etablieren und die Chemie zwischen Sutter und Aimee ins rechte Licht zu rücken. Kommt nur langsam richtig in Fahrt, wird  dann endlich stark und lebt von dem eingefangenem Gefühl. Hätte insgesamt leicht noch etwas besser sein können.


„Fängt wunderbar das Gefühl der Jugend ein, einer Zeit voller Umschwung und Veränderungen. Braucht anfangs aber ein wenig zu lang, um Figuren und Geschichte ins rechte Licht zu rücken.“

Bewertung: 3,5/5


© capelight pictures

© capelight pictures

Regisseur: James Ponsoldt

Schauspieler: Miles Teller, Shailene Woodley, Kyle Chandler
Laufzeit: 95 min
Erscheinungstermin: 13.09.2014

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