Housebound

Die junge Frau Kylie Bucknell (Morgana O’Reilly) verkehrt in den falschen Kreisen. Zusammen mit einem Komplizen versucht sie einen Geldautomaten zu knacken und wird daraufhin kurzerhand verhaftet. Ihre Strafe scheint noch mild ausgefallen: Sie muss die nächsten 8 Monate im Haus ihrer Mutter verbringen, hat Hausarrest. Ein Peilsender am Fuß soll sie hindern, das Grundstück zu verlassen. 
Das beste Verhältnis zu ihrer Mutter (Miriam Bucknell) hat sie nicht unbedingt. Das ändert sich auch nicht, als sie zufällig bei einer Radioshow hört. Wirre Geistergeschichten und die Ehrfurch vor ihrem „Spukhaus“ tut sie schnell als dummes Gerede ab. 
Doch als sie nach einiger Zeit selbst unerklärliche Dinge in diesem Haus erlebt, ist sich auch Kylie nicht mehr restlos sicher, ob ihre Mutter nicht vielleicht doch recht hat mit ihren Geschichten. Verlassen kann sie das Haus jedenfalls nicht und ist so gezwungen dem Ganzen auf die Spur zu gehen..

Die Inhaltsangabe hinterlässt recht schnell den Eindruck, als würde sich „Housebound“ in der langen Schlange von eher semi-guten Horrorfilmen der letzten Jahre einreihen. Dem ist aber nicht so.
Dieser Film schlägt einen anderen Weg ein und ist dabei durchgehend angenehm undurchschaubar. Gleich von Anfang an ist man sich selbst des Genres nicht recht bewusst, in dem sich Gesehenes bewegt.
Dabei wird anfänglich ganz klar das Horrorgenre angesprochen: Der Aufbau, die Struktur. Das ähnelt Vielem, was man schon kennt. Viele Klischees werden abgefeiert. Der grimmig dreinschauende Nachbar, die knarrenden Türen, die sich von selbst bewegen oder Bildschirme die sich auf mysteriöse Weise aus- oder anschalten. Doch der Eindruck täuscht.

Szene um Szene wird jedoch dem Humor ein größerer Stellenwert zuteil. Nicht nur werden die schon angesprochenen Stereotypen des Horrors auf schöne Art aufs Korn genommen, auch gibt es herrlich komische Szenen zu sehen. So zum Beispiel wenn Kylie sich an den veralteten Computer setzt und ins Internet gehen möchte. Ein altertümliches Modem fängt an zu quitschen und knarchzen, genervt lässt die Straftäterin dies über sich ergehen.
Durchgehend findet der Film eine sehr angenehme Mischung aus Slapastick und spannungsgeladenen Momenten. Was dabei besser funktioniert, als bei anderen Genrevertretern:
Der Spannung kommt nicht zu kurz.
Als Zuschauer wird man durch das Wechselbad der Gefühle gejagt. Während man in einem Moment noch über einen lustigen Witz lachen kann, schlägt die Stimmung ruckartig um und erschafft eine düstere, angsteinflößende Atmosphäre, die den Puls höher schlagen lässt.

Im Laufe des Films wird immer besser mit den Erwartungshaltungen der Zuschauer gespielt. Man kann sich nie in Sicherheit wiegen. Wenn man dann doch meint, man habe das Konzept der Produktion verstanden, kommt es zu einer Hundertachtziggradwendung und sowohl Konzept, als auch Geschichte driften in eine andere, unerwartete Richtung ab.
Dabei macht „Housebound“ unglaublichen Spaß. Mit einem hohen Tempo, guter Gagdichte und ebenso guten „Thrillmomenten“ fühlt man sich zu jeder Minute hervorragend unterhalten.
Auch wenn der Fokus hier definitiv nicht auf der Produktion eines kompromisslosen Horrosfilms lag, können sich andere Genrevertreter gerne abschauen, wie man sinnvoll mit der Erwartungshaltung der Zuschauer spielt. Jumpscares ausgewählt einsetzt und so auch „falsche Schockmomente“ aufbaut.

Zur Kamera und den Schauspielern gibt es recht wenig zu sagen. Eher zurückhaltend in Szene gesetzt schafft der Film ein ruhiges Bild. Die weitesgehend unbekannten Schauspieler machen durchweg einen guten Job, bleiben dabei aber auch relativ unauffällig.

Auch Hollywood hat „Housebound“ scheinbar wunderbar gefallen, nachdem Peter Jackson folgendes über den Film zu sagen hatte: „A wonderfully witty comedy horror that delights in scaring the hell out of you! Bloody brilliant!“ , hat man sich entschieden kurzerhand ein Remake auf die Beine zu stellen. Da die neuseeländische Produktion doch eher unbekannt ist, wird wohl auch dieses Unterfangen recht erfolgreich werden. Es gilt abzuwarten was die Filme-schmiede aus Hollywood mit dem Material anstellt, der Regisseur des Originals soll als Produzent auch mit an Bord sein. Den Sinn hinter dem Remake eines hervorragenden englischsprachigen Films aus dem Jahre 2014 sehe ich nicht, aber der Remake-/Rebootwahn Hollywoods kennt dieser Tage wohl kaum ein Ende.


„Hervorragender Genremix aus Horror, Thriller und Comedy. Durchgängig schnell erzählt und undurchschaubar sorgt „Housebound“ für einen unterhaltsamen Filmabend. Großer unerwarteter Spaß.“

Bewertung: 4/5
Empfehlung


© MFA/Drop-Out

© MFA/Drop-Out

Regisseur: Gerard Johnstone

Schauspieler: Morgana O’Reilly, Rima Te Wiata, Glen-Paul Waru
Laufzeit: 107 Minuten
Erscheinungsdatum: 12.02.2015

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