Inherent Vice

Paul Thomas Anderson kann auf einige Erfolge in seiner Filmographie zurückblicken. Der 44 jährige Regisseur ist verantwortlich für namhafte Werke wie „Boogie Nights“, „The Master“ oder „There Will Be Blood“. Für mittlerweile 6 Oscars ist der wehrte Mann nominiert, gewinnen konnte er aber noch keinen der Prestigeträchtigen goldenen Statuen. Das wird sich wohl auch dieses Jahr nicht ändern.
Mit Inherent Vice bekommen wir die Verfilmung eines Thomas Pynchon Roman’s. Kein leichtes Unterfangen, gelten seine Werke doch mehr oder weniger als „unverfilmbar“. Doch das sagte man auch jahrzehntelang über den Herr’n der Ringe. Dinge sind solange unmöglich bis einer kommt und es einfach macht. Wie also hat sich Anderson geschlagen ? 

Wir begleiten den Privatdetektiv Larry „Doc“ Sportello (Joaquin Pheonix) quer durch das Los Angeles der 70er Jahre. Seine Exfreundin Shasta Fay Hepworth (Katherine Waterston) taucht unangekündigt in seiner Wohnung auf. Sie scheint aufgewühlt. Ihr neuer Liebhaber, der Bauriese Mickey Wolfman (gleichzeitig jüdischer Abstammung und Nazi), ist verschwunden. Doc soll ihn ausfindig machen und vor der Einweisung bewahren. Der Verdacht steht nahe, dass dessen Ehefrau den hinterhältigen Plan verfolgt Mickey in eine geschlossene Anstalt zu sperren, um so an sein Vermögen zu kommen. 

Was auf den ersten Blick eine relativ gradlinige Crime-Geschichte zu sein scheint, entpuppt sich bald als verstörendes Wirr-Warr. Allzu oft wird die eigentliche Geschichte fallengelassen, um kleinen Nichtigkeiten nachzugehen. So gesellen sich mehr und mehr skurrile Nebencharaktere – oft von namenhaften Schauspielern verkörpert – zum Ensemble. Lenken die Aufmerksamkeit kurzzeitig auf sich und ihre Nebenhandlung. Während der 148 Minuten bekommen wir so unter anderem Josh Brolin, Owen Wilson oder Benicio del Toro zu Gesicht. Auch der äußerst charismatische Michael Kenneth Williams bekommt einen kurzen Auftritt als ehemaliges Bandenmitglied.
Als Doc’s Auftraggeberin dann auch verschwindet und eine Organisation namens „The Golden Fang“ ins Spiel kommt, wird es immer schwerer der Geschichte zu jeder Zeit folgen zu können.
Mit zunehmender Laufzeit verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Wahnvorstellung immer weiter. Teils findet man sich in derart abstrusen Sequenzen wieder, dass man nicht weiß, ob man das jetzt lustig oder zum Kopfschütteln ist. Die Unmengen an illegalen Substanzen, die während des Films eingenommen werden, bleiben eben nicht ganz ohne Wirkung.

Vorgetragen wird die Geschichte von einer Erzählerin, die jedoch auch selbst eine Protagonistin des Geschehenen ist. Warum gerade diese den allwissenden Part der Stimme aus dem Off übernimmt bleibt eher ein Rätsel. Dennoch ist die Atmosphäre der 70’er schön eingefangen. Die Kamera schafft es stilvolle Bilder der tollen Kulisse einzufangen. Auch Pheonix als dauerkiffender Doc macht seine Sache gut. Oft mit einer Mischung aus Verwirrung und einem Hauch zu viel Selbstbewusstsein porträtiert er den durchgeknallten Detektiv. Nicht selten scheint er selbst kaum seinen Augen zu trauen, wenn er von dem „Muschi-Lecker-Special“ hört oder eine Heroinabhängige davon schwärmt, ihre weißen Zähne nur wegen ihrer Sucht zu haben.
Teils erinnert das Ganze an den großartigen „The Big Lebowski“. Ist aber nicht so klar, weniger strukturiert. Wird selber zu einer Art durchgeknalltem Trip. Stets zwischen Realität und Wahn.
Ich empfehle dringendst – falls möglich – auf die englische Originalfassung zurückzugreifen. Durch die deutsche Synchronisation geht scheinbar einiges an Stimmung und Wortwitz verloren.

Wer über die volle Laufzeit versucht immer auf der Höhe der Geschichte zu bleiben und alle Einzelheiten zu verstehen wird wohl bald mit einem rauchenden Kopf auf der Strecke bleiben. Manche Sequenzen muss man einfach geschehen lassen, beobachten und letztendlich so hinnehmen wie sie sind. Teils wirft die Geschichte mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Gegen Ende des Films sitzt man deshalb mit einem großen Fragezeichen in seinem Sitz. Der Film scheint sein Ende nicht zu finden. Mal um mal beschleicht einen das Gefühl die letzte Szene des Films zu sehen.  Doch schnell wird man eines besseren belehrt.
Zurück bleibt ein Film, den man wohl in der richtigen Stimmung schauen muss. Vielleicht mit ein paar Freunden und einem kühlen Bier. Man muss Geschehen lassen, was passiert, man muss sich dessen annehmen. Andernfalls wird das Ganze schnell zu einer eher zähen Unterhaltung der stilvollen Art.


“ Eine stilvoll verpackte Geschichte zum Selbstzweck. Der wilde Drogensumpf wirkt sich schnell auch auf die Handlung aus. Stets zwischen Realität und Wahn(sinn).“

Bewertung: 6,5/10


© Warner Bros. Pictures Germany

© Warner Bros. Pictures Germany

Regisseur: Paul Thomas Anderson

Schauspieler:  Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Owen Wilson
Laufzeit: 148 Min
Erscheinungsdatum: 12. Februar 2015

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