Recap: Better Call Saul „Mijo“ S1E02

Und schon geht’s in die zweite Runde. Nachdem die erste Folge letzte Wochen einen schönen Anfang geformt hat und es schaffte auf recht unterhaltsame Art und Weise die ersten Charaktere (teils wieder) einzuführen, stellt sich nun die Frage wie die Macher es schaffen einen Bogen zu der eigenständigen Story zu schlagen.
Die letzte Folge endete mit einem Schlag ins Gesicht. Der Gangster Tuco Salamanca begrüßte Jimmy, sympathisch wie er nunmal ist, mit einem Revolver an der Tür. Nur noch das große Geld im Kopf hat sich unser ambitionierter Anwalt auf den Weg gemacht, die seinen beiden Skater-Jungs aufzuspüren und den Plan letztendlich doch noch in die Tat umzusetzen.

Gute Miene zu bösem Spiel

Die dieswöchige Episode beginnt mit dem Eintritt der alten Dame. Mit den Skaterzwillingen im Schlepptau betritt sie das Haus und sucht schnell Hilfe bei ihrem Sohn. Völlig überfordert stammelt sie vor sich hin. Sie ist in Schwierigkeiten, Schmerzensgeld soll sie zahlen. Die beiden Zwillinge spielen währenddessen eher schlecht als Recht die verletzten Opfer. Müssen sich teils selbst erinnern zu humpeln und Schmerzen zu simulieren.
Tuco bleibt ruhig, schickt seine liebe Mutter in die obere Etage. Schließlich läuft grade deren Lieblingssendung im Fernsehen, die kann sie doch nicht verpassen. Das respektlose Verhalten der beiden Möchtegern-Betrüger gefällt dem wahren Kriminellen im Raum währenddessen überhaupt nicht. Er ist der Wolf im Schafspelz, wartet geduldig bis seine treudoofe Mutter verschwunden ist und zeigt sein wahres Gesicht. Schnell wird klar: Die beiden haben sich mit dem Falschen angelegt. Kurzerhand zieht der puertorikanische Ganove den beiden einen Gegenstand über den Kopf und ihnen wird schwarz vor Augen.
Was nun geschieht ist eine schöne Slapstick-Sequenz, die gleichermaßen doof wie auch unterhaltsam ist. Die alte Dame horcht auf und erwischt ihren Sohn dabei, den Boden zu wischen. Die beiden Skater sind verschwunden. Dem Zuschauer ist zu jeder Zeit bewusst, dass der Fleck am Boden aus Blut, aber keinesfalls aus Salsa besteht. Doch die liebreizende, etwas zerstreute Dame bleibt ihrem Nachkömmling treu. Möchte ihm helfen das kleine Missgeschick zu entfernen. Das stellt sich uns die ganze Zeit eine Frage. Was ist mit den Jungs? Sind sie tot, sind sie geknebelt, was ist mit ihnen geschehen?

Es klingelt und wir finden uns am Ende der letzten Folge wieder. Diese Mal aus der Perspektive innerhalb des Hauses. Jimmy steht vor der Tür, ruft hochtrabend etwas von „Gebieter des Gesetzes“ und wird – Knarre direkt auf ihn gerichtet – nett hereingebeten. Was nun folgt ist ein super Dialog, gemixt mit der Fortsetzung des „Omi bleibt unwissend Teils“. Neugierig kommt diese immer wieder aus dem Zimmer, möchte nun doch helfen den Fleck am Boden zu entfernen, möchte wissen wer da ihr Haus betreten hat. Tuco versucht sein bestes die Pistole hinter seinem Rücken zu verstecken. Jimmy lässt erstmals den Saul von der Leine, den wir alle kennen. Schlagfertig redet er ununterbrochen, sagt alles, aber doch eigentlich nichts. Bis auch der Herr des Hauses zugeben muss: „You got quite a mouth on you.“
Als er die Situation fast wieder ins Lot gebracht hat, finden wir seine beiden Komplizen geknebelt wieder. WIe fast alles was sie tun, schaffen sie es auch diese Situation noch schlimmer zu machen, als sie eh schon ist. „Der Anwalt ist Schuld!“

Gefesselt, umgeben von vier Kriminellen, finden sich die drei im Outland wieder. Was war der Plan, wieso hat Jimmy sich entschieden Tuco hochzunehmen? All das wollen die Ganoven wissen und beginnen den Anwalt dementsprechend zu bearbeiten. Super zu sehen, wie Jimmy sofort adaptiert und erzählt was die anderen hören wollen. Special Agent Steel ist sein Name, er ist ihnen auf der Spur, um deren Drogendeals aufzudecken.
Natürlich bleibt auch diese Lüge nicht lange unentdeckt. Glücklicherweise wird Jimmy freigelassen und darf das Feld räumen. Ein Schicksal, das seinen beiden Verbündeten nicht gegönnt zu sein scheint.
Jimmy scheint die beiden ihrem Schicksal zu überlassen. Entscheidet sich kurzerhand als Art Anwalt einzustehen und die Strafe zu mildern.
Die folgenden Sequenzen strotzen nur so vor Humor und Spannung. Der Dialog zwischen dem verschmitzten Saul und dem völlig desillusionierten Tuco ist einfach eine wahre Wonne. Mit allen Regeln der Kunst drückt Saul die Strafe immer weiter, bis sich beide einigen den beiden die Beine zu brechen. Jeweils eins, so dass sie nicht mehr aufs Skateboard steigen können. Die Darstellung dieser Strafe ist am Ende fast trashig, aber im positiven Sinne.
Sehr passend der abschliessende Dialog der Beteiligten am Krankenhaus :
„You’re the worst lawyer ever!“
„I’m the best laywer ever!“

Der triste Alltag

Nach diesem eher unerfreulichen Geschehnissen versucht Jimmy sein Leben normal weiterzuleben. Während eines Dates mit einer attraktiven Dame, kann er sich nur auf das ständige Brechen von Gebäck am Nebentisch konzentrieren. Sichtlich angezogen der weiblichen Vorzüge, wird er weiter und weiter zermürbt von den akustischen Signalen, bis er sich auf der Toilette übergibt.
Völlig betrunken betritt er das Haus seines Bruders Chuck, ohne sich zu erden, ohne sein Handy aussen abzulegen. Erschöpft lässt er sich auf dem Sofa fallen und fällt in einen tiefen Schlaf.
Wie merkwürdig Chuck wirklich ist, wird klar, als dieser das Handy im Handumdrehen mit einer Kneifzange bewaffnet aus der Eingangstür schleudert und fortan nur noch mit einem „Space-Blanket“ gewappnet durch seine Wohnung läuft.

Auch sonst verfällt Jimmy recht schnell wieder dem tristen Alltag. Tag für Tag versucht er als staatlicher Anwalt die unmöglichsten Fälle für sich zu gewinnen. Zieht sich Kaffee um Kaffee aus dem Automaten und versucht die „Saul-Show“ zu gewinnen. Mit recht vagem Erfolg. Dennoch ist eine leichte Verbesserung seiner Künste zu erkennen.
Der persönliche Krieg mit dem Parkplatzwärter Mike Ehrmantraut wird zum Running Gag, mal um mal muss Jimmy neue Sticker holen und legt sich mit seinem späteren Partner an. All das erleben wir in einer zusammengeschnittenen Collage mit recht witzig anmutender Musikuntermalung.

Am Ende der Episode betreten wir einmal mehr das viel zu klein geratene Büro des erfolglosen Anwalts. Keine Anrufe auf dem Anrufbeantworter. Keine Kunden. Saul macht es sich – mit einem Drink bewaffnet – auf seiner Ausziehcouch bequem, als ein unangekündigter Kunde das Büro betritt.
Es ist Nacho Varga, einer von Tucos Handlangern. Sein Vorschlag:
Die millionenschweren Besitzer Chuck’s ehemaliger Anwaltskanzlei hochnehmen. Für Saul springt dabei ein gutes Sümmchen raus. Ohne wirklich eine Wahl zu haben, fügt sich Jimmy seinem Schicksal und geht den Deal ein. .

Fazit:

Insgesamt war diese Folge hervorragend! Nach einem recht unterhaltsamen und guten Piloten hat die zweite Episode nochmal deutlich einen drauf gesetzt. Was hier an witzigen Momenten und Dialogen abgefeuert wird ist schlichtweg spitze. Die Geschichte scheint sich in eine interessante Richtung zu entwickeln. Die Macher wissen was sie tun und schaffen es bisher eine unterhaltsame, witzige Serie zu schaffen. Voller skurriler Charaktere. Dabei lässt sich das hohe handwerkliche Niveau von Breaking-Bad wiedererkennen. Trotzdem steht die Serie schon jetzt auf eigenen Beinen und ich wage die vage Prognose: Die Serie hat das Potential auf Augenhöhe mit Breaking Bad zu spielen, den Serien-Papa vielleicht sogar zu übertrumpfen. Die ersten zwei Folgen sind verglichen mit den ersten beiden Folgen rund um Walter jedenfalls bereits eine Nasenlänge voraus.

Bis nächste Woche! Bis dahin: Lasst mich wissen was ihr von den ersten Folgen dieser Serie haltet. Schreibt gerne in die Kommentare oder folgt mir auf Twitter für nette Diskussionen: 😉


Zitate der Woche:

„I’m not sure if this is a situation where i shoul or should not look you in the eye“

„What do you want?“ „Not to starve to death“

Saul


Hier geht’s zur Übersicht der Episoden!

Hier kommt ihr zum Recap der ersten Folge!

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5 Gedanken zu “Recap: Better Call Saul „Mijo“ S1E02

    • Ich war tatsächlich erst ein wenig skeptisch, habe befürchtet das läuft auf reine Geldmache hinaus. Bin aber echt positiv überrascht! ICh freu mich. Bin sehr gespannt, wie sich das Ganze weiterhin etnwickelt und später der Bogen zu Breaking-Bad geschlagen wird 🙂

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