“Einer der besten Filme der letzten Jahre…”

Gestern besuchte ich die Seite Mago-Filmtipps (der Link führt euch auf seine Seite) und entdeckte so seinen neusten Blogeintrag. “Einer der besten Filme der letzten Jahre…” war der Titel, die Idee dahinter ist wohl relativ einfach als auch interessant. Die Leser des Artikels sind aufgefordert einige ihrer liebsten Filmtitel von 2010-jetzt aufzulisten. Da das den Rahmen eines normalen Kommentars wohl sprengen würde, habe ich mich entschieden einen eigenen Blogeintrag zu erstellen und das ganze zu besagtem Artikel zu verlinken (Hoffentlich kriege ich das auch alles richtig hin.. :D).

Also habe ich mich hingesetzt und meine IMDb-Liste der letzten Jahre nach meinen persönlichen Lieblingen zu durchforsten. Ziel ist es dabei die Liste nicht nur mit den offensichtlichen Filmen vollzustopfen, die eh jeder kennt, sondern auch das ein oder andere Werk, das vielleicht eher unbekannt ist. Vielleicht ist ja der ein oder andere Tipp der interessant scheint. Eine feste Reihenfolge möchte ich dabei eigentlich nicht zwingend einbauen, ich tue mich ab einem gewissen Grad an Begeisterung immer schwer zu sagen „Das ist meine klare Nummer 4, das hingegen meine Nummer 3“. Ich hoffe es ist eine ganz nette Mischung geworden, die deutschen Trailer habe ich jeweils auf dem Filmtitel verlinkt.
Also los geht’s:

Interstellar

Gut, dieser Film ist wohl nicht gerade unbekannt. Ja, er hat einige Fehler, aber ich wurde im Kino lange nicht mehr so auf audiovisueller Ebene beeindruckt. Die relativ dezenten und greifbaren Effekte, der epochale Soundtrack von Hans Zimmer, das ganze hat mich fast hypnotisch in seinen Bann gezogen. Dazu gute Performances, allen voran von McConaughey, haben mich mitgerissen. Auch wenn die Geschichte an manchen Stellen recht kitschig daherkommt und einige narrative Schwächen hat, genoss ich Nolan’s Variante von 2001. Und eins bietet der Film auf jeden Fall: Diskussionsbedarf . Das ist doch immer etwas Schönes bei Filmen. 

Snowpiercer

Ein postapokalyptischer Endzeitfilm jenseits von Hollywood ist ja eher ungewöhnlich. Dabei gefällt mir die Idee. Die Erde ist in einer Eiszeit verkommen, kein Leben mehr möglich. Der restliche kleine Teil der Menschheit lebt in einem abnorm langen Zug, doch auch hier gibt es eine Gesellschaftsordnung. DIe armen, wertlosen Menschen leben am Ende des Tunnels, die Reichen weiter vorne. Super Action, ansprechend designte Zugabteile, spannende Geschichte. Ein guter Genrefilm und Material zum Mitdenken.

The Broken Circle

Vorweg: Kein Film für nette, lustige DVD-Abende mit Freunden. Dieser belgische Film erzählt die Geschichte von einem Musiker und einer Tatoowiererin, wie sie zusammenkommen und ein gemeinsames Kind bekommen. Das Glück scheint perfekt, doch dann kommt die Horrorprognose: Die kleine Tochter ist an Krebs erkrankt. Nun muss die kleine Familie mit der neuen Situation zurechtkommen. Dabei entstehen derart herzzerreißende Momente, Gänsehaut pur, aber eben auch bedrückend und schwere Kost.
PS: Noch immer habe ich die beeindruckende Szene vor Augen als der Vater in einem Moment voller Wut und Verzweiflung während eines Konzerts die Fassung verliert. Hasstiraden auf die Zuschauer loslässt. Beeindruckend gespielt!

Le Grande Belezza

Ein wunderschöner  Film aus Italien. Behandelt die High Society Roms und entlarvt ihre Oberflächlichkeiten. Nach der Nachricht des Ablebens einer Jugendfreundin reflektiert der erfolgreiche Jep sein Leben. Eigentlich hat er alles was er möchte, er feiert die besten Partys mit seinen Freunden, ist angesehen. Doch eigentlich ist sein Leben unbedeutend, immer wollte er der König der Mondänen sein, das hat er geschafft, hat am Ende jedoch nichts. Voller wunderschöner Szenen, toller Zitate und einem perfekten Ende das im Kopf bleibt.

Moonrise Kingdom/Grand Budapest Hotel

Diese beiden Filme von Wes Anderson packe ich hier einfach mal frech zusammen. Völlig beeindruckend wie akkurat Anderson arbeitet, fast jede Szene könnte festgehalten und auf eine Postkarte gedruckt werde. Skurile Charaktere, ulkige Geschichten. Dazu kommt quasi immer ein hervorragender Cast voller Stars. Anderson ist ein Perfektionist und allein optisch sind seine Filme eine Wonne. Und fast immer gibt es Bill Murray zu sehen *hurra*

Drive

Für mich der wohl beste Film in seinem Jahr gewesen. Viel muss ich wohl nicht mehr zu Drive sagen. Der Film der Ryan Gosling endgültig cool gemacht hat, der elektropop-Soundtrack läuft bei mir immer noch regelmässig im Audioplayer, die recht minimalistische Geschichte unterhält super. Stilistisch super Film und der Grund weshalb ich alle Refn Filme nachgeholt und (fast) immer meinen Spaß hatte.

Django Unchained

Achja, Herr Tarantino. Das ich ein recht großer Verehrer seiner Werke bin, muss ich anhand meines Blognamens wohl nicht mehr großartig ausführen. Ich fand alle seine Filme gut, sogar Death Proof und ja ich weiß, das ist objektiv betrachtet nicht wirklich ein guter Film. Auch nicht für das Grindhouse Double-Feature. Was soll ich groß sagen? Tarantino hat sich einem neuen Genre angenommen und diesem seinen Stempel aufgedrückt. Kaum ein Regisseur schafft es Coolness so ungezwungen und dreckig auf die Leinwand zu verbannen. Tarantino macht sein eigenes Ding und das ist gut so, packt sich Schnipsel um Schnipsel von Filmen die er gut fand und baut fast wie eine Art Collage sein eigenes selbstständiges Kunstwerk aus seinen Vorbildern auf. Für mich ein Garant für absolute Topfilme und wohl einer der „echtesten“ Stars in Hollywood. Voller Ecken und Kanten.

Big Bad Wolves

Wo wir schon bei Tarantino waren. Big Bad Wolves wurde von genau diesem Mann als einer der besten Filme der ausgezeichnet, wenigstens verbal. Recht schnell hab ich mich entschieden das Ganze dann auch sehen zu müssen. Der Film stammt aus Israel und handelt von einem Kriminellen der Kinder entführt und ihnen schreckliche Dinge antut. Der Vater von einem der Opfer übt Selbstjustiz und versucht ein Geständnis aus dem Verdächtigen herauszu“kitzeln“. Wunderbar präsentiert, teilweise intensiven Folterpassagen. Gelegentlich mit eigentlich denkbar unpassendem (fast schon) Slapstick aufgefrischt.

Prisoners

Kommen wir zu einem sehr ähnlichem Film. Prisoners macht fast den Eindruck als hätte Hollywood sich Big Bad Wolves angeschaut und seine eigene zugegebenermassen nicht minder packende Version des Films produziert. Etwas glatter, etwas weniger provokant und eben mehr Hollywood. Aber definitiv nicht schlecht. Super Thriller mit guten Darstellern und Spannung zum Nägel zerkauen.

Blue Ruin

Ebenfalls eine Art Thriller, aber komplett nicht nach Hollywood’s Maßstäben. Unser (Anti-)Held lebt in seinem Auto, sein Äußeres gleicht wohl eher dem eines Obdachlosen als dem des coolen Actionhelden. Als er erfährt, dass ein bestimmter Mann aus dem Gefängnis entlassen wird, macht er sich auf den Weg ihn zu finden. Eine Geschichte rund um Rache und Familienzugehörigkeit. Sehr geerdeter Film und genau das macht den Spaß aus. Wir haben es nicht mit einem ausgebildeten Navy-Seal zu tun, sondern mit einem stinknormalen Mann, der seiner Wut freien Lauf lässt.

Locke

Ein Film an dem sich wohl die Geister scheiden. Ich habe schon Leute gesehen, die ihm sogar das Attribut des Films absprechen wollen, andere wiederum sehen ihn als einen der besten FIlme des Jahres. Lange war ich mir auch nicht ganz schlüssig über meine Meinung.
Zur Story: Ein Mann sitzt in seinem Auto auf dem Weg zu einem für ihn entscheidenden Erlebnis. Dabei hat er nur sich und seine Fernsprechanlage. Das war’s. Wir fahren mit diesem Menschen in seinem Auto und belauschen seine Telefonate, können währenddessen aber miterleben wie seine Entscheidungen sein Leben ändern. Wenn er sein Ziel erreicht wird er ein anderer Mann sein. Ich ziehe meinen Hut wie es der Regisseur schafft, diese doch recht triste Prämisse zu einem vollwertigen Spielfilm zu formen, ihm Spannung verleiht und man teilweise geradezu an Tom Hardy’s  Lippen hängt. Sowieso, seien wir mal ehrlich. Tom Hardy! Wer mag den nicht?!
Würde den Film aber nur Cineasten empfehlen, mit dem Hang zu experimentellen. Alle anderen werden wohl maßlos enttäuscht werden.

Gravity

Noch so ein „Weltraumfilm“ und wieder kann ich Ähnliches sagen wie bei Interstellar. DIe Geschichte ist in diesem Fall recht minimalistisch, aber die Optik und das Sounddesign sind der absolute Hammer. Pure Gänsehaut überkam mich, als ich sah wie Sandra Bullock entsetzt in die schiere Unendlichkeit zu driften scheint. Der Sound ist dabei dem Weltraum angepasst, alles sehr dumpf, kaum zu hören. Und immer noch finde ich die Vorstellung mehr als gruselig. Ich bedaure immer noch ein wenig den Film nicht im Kino, sondern „nur“ auf dem heimischen 3D-Fernseher gesehen zu haben. Das hätte andernfalls sicher noch einen viel größeren Eindruck hinterlassen.

Birdman

Gut, muss ich wohl nicht mehr so viel zu sagen. Für mich einer der besten Filme der letzten Jahre. Die genaue Kritik findet ihr hier

Die Jagd

Mads Mikkelsen spielt einen lieben KiTa-Angestellten, ist allseits beliebt in seinem kleinen Dorf. Doch ein kleines Mädchen setzt eher ungewollt das Gerücht in die Welt, er habe sich sexuell an ihr vergangen. Was nun folgt ist der schleichende Prozess von Hass und Gewaltbereitschaft. Am Ende steht Mikkelsen allein da. Ein interessantes Gedankenexperiment. Schockierend und zeitgleich faszinierend zu sehen wie Menschen sich gegenseitig immer weiter hochschaukeln. Völlig ohne Vernunft, ohne sicher zu wissen was der Wahrheit und was Gerüchten entspricht.

Warrior

Das typische Sportlerdrama: Zwei zerstrittene Brüder sollen in einem MMA-Turnier um viel Geld gegeneinander antreten. Der eine wird vom gemeinsamen trunksüchtigen Vater trainiert, der andere geht seinen eigenen Weg. Drama ist also vorprogrammiert, die Kämpfe bilden dabei eher die Rahmenhandlung. Der eigentliche Schwerpunkt liegt auf der Familiengeschichte und dem hervorragenden Schauspiel. Teilweise etwas klischeebehaftet, aber sehr emotional. Und hey, wieder mal Tom Hardy. Den sehe ich gern, sagte ich das schonmal ?

Wolf of Wallstreet

Super Film von Scorsese über Kapitalismus und all seine Fehler. Zeitgleich aber auch eine unvergessliche zweieinhalbstündige Party. Dabei fühlt sich der Film längst nicht so lang an, wie er in Wirklichkeit ist. An manchen Stellen irrsinnig komisch. Leonardo di Caprio ist super und langsam aber sicher wird sein Oscar fällig, den hat er sich einfach verdient.

American Hustle

Einer dieser Filme, den ich erst nach dem zweiten Lesen richtig greifen und vollkommen genießen konnte. Das erste Mal hatte ich hohe Erwartungen und war dann relativ enttäuscht als der Film vorbei war. Schien mir irgendwie relativ belanglos, die Geschichte nicht wirklich packend. Ich traute mich jedoch zu einem erneuten Versuch, dieses Mal war ich fasziniert von dem Schauspiel, den Sets, der Kamera, auch der Art die Geschichte voranzubringen. Bin gespannt was ich nach der dritten Sichtung zu sagen habe.

Oh Boy

Der einzige deutsche Film meiner Liste. Eigentlich bin ich kein Freund deutscher Produktionen. Oft schwingen Bilder von überbelichteten Möchtegern-Hollywood Produktionen ala Til Schweiger im Kopf und vermiest mir die Lust auf die deutsche Filmwelt. Oh Boy – mit Tom Schilling in der Hauptrolle – fand ich jedoch super. In tristem schwarz-weiss verfolgen wir den relativ perspektivlosen Langzeitstudenten Niko durch Berlin. Die Atmosphäre meiner so geliebten Stadt wird dabei wunderbar eingefangen und trotz von Melancholie. Positive Überraschung!

Tyrannosaur

So, der letzte Film meiner Liste, es gab zwar noch ein paar andere Kandidaten, ich entschloss mich aber hier den Schnitt zu setzten. Was genug ist, ist genug.
Kommen wir zum Film: Tyrannosaur ist eine Liebesgeschichte, derart andersartig, greifbar und trotzdem schön wie man es selten sieht. Dazu ein Sozialdrama. Besticht mit wunderbarer Kameraarbeit und fantastischen Darstellern.


Das war meine Liste mit ein paar Filmen, die mir in den letzten Jahren gut gefallen haben. Schreibt gerne in die Kommentare, ob ihr das ähnlich seht oder vielleicht sogar der ein oder andere Film euer Interesse wecken konnte!

Advertisements

10 Gedanken zu ““Einer der besten Filme der letzten Jahre…”

    • Die ersten drei fand ich ebenfalls super! Bei Malick bin ich ein wenig skeptisch seitdem ich „To the Wonder“ gesehen habe. Der war einfach nichts für mich und hatte mich vorerst auch von seinen restlichen Werken verscheucht. „There will be blood“ ist ja sowieso außerhalb des gegebenen Erscheinungsdatums :p

      Allgemein ging’s mit hier auch nicht wirklich darum nur die wirklich besten Filme der letzten Jahre aufzulisten, sondern eine bunte Mischung einer handvoll von Filmen, die mir viel Spaß bereitet haben.

      Aber jetzt bin ich gespannt. Schließe dich doch an und zeig ein paar deiner Lieblinge! Vielleicht entdecke ich ja die ein oder andere Perle 🙂

      Gefällt 1 Person

      • 1. Bin ich gaaanz bei dir: TTW fand ich auch enttäuschendund. Er ist aber nicht vergleichbar mit Tree of Life – versprochen 😉

        2. Ach so. Ja dann kann ich deiner „bunten Mischung“ durchaus zustimmen 🙂

        Das gilt für Moonrise Kingdom/Grand Budapest Hotel, Drive, Django Unchained, Birdman, Die Jagd, WoW und American Hustle und Oh Boy.

        Gravitiy war okay.

        Alles andere habe ich nicht gesehen.

        Ansonsten von 2013/2014:

        Jasmine (obwohl ich kein Allen-Fan bin)

        Only God Forgives (schwächer als Drive)

        Michael Kohlhass (sehenswerte Literaturadaption mit Mads Mikkelsen)

        Man of Steel (er wäre besser, wenn Nolan nicht nur produziert hätte)

        Dallas Buyers Club (siehe mein Blog-Eintrag 😉

        Boyhood (Richard Linklater!)

        Noah (ich weiß, der kommerziellste Aronofsky, aber trotzdem)

        X-Men – Zukunft ist Vergangenheit

        Gefällt mir

        • Jetzt artet das ganze ja zu einer richtigen Diskussion aus 🙂
          Ok, dann rutscht Tree of Life doch sofort wieder auf meine Liste, ich lass dich wissen wie ich ihn fand! 😛
          Vielleicht gefällt dir ja der ein oder andere Titel, kannst dir ja mal den Trailer klicken. Ich find’s teilweise sehr erfrischend Filme abseits des Hollywood-Einerleis zu sehen.

          Zu deinen Filmen:
          Jasmine hab ich nicht gesehen, kann mit dem alten Woody aber auch nicht allzu viel anfangen.

          Only God forgives war einer dieser Filme der mir erst nach einiger Zeit gefallen haben, direkt nach dem Sehen war ich etwas enttäuscht, hab halt etwas in der Art Drive oder Pusher1-3 erwartet. (Wenn OGF dir gefallen hat könntest du einen Blick auf Walhalla Rising riskieren)

          Kohlhaas als auch Man of Steel fand ich irgendwie eher mau. Bin gespannt wie Superman x Batman wird. Batman zieht bei mir irgendwie immer ^^
          Buyers Club ist richtig super, meiner Meinung nach auch besser als Oscargewinner 12 Years a slave!

          Boyhood leider immer noch nicht gesehen (Wird bis zu den Oscars nachgeholt)

          Und Noah werd‘ ich wohl nur wegen Aronofsky gucken, ich hab Vertrauen in den Mann. Auch wenn die Ausschlachtung von biblischen Geschichten und allgemein das religiöse Thema eher nicht so meins sind..

          Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s