Recap: Better Call Saul „Uno“ S1E01

Fast anderthalb Jahre ist es nun her, als die hervorragende Serie „Breaking Bad“ rund um Walter White und Jesse Pinkman sein verdientes Finale fand. Zuerst skeptisch reagierte ich als ich von einem geplanten Spin-off rund um Saul hörte, jetzt ist es so weit und ich konnte die erste Folge auf Netflix schauen, glücklicherweise werden die Folgen hier nur einige Tage nach Ausstrahlung zum streamen angeboten. DIe nächsten Wochen werde ich hier auf diesem Blog eine Recap-Reihe starten. Warnung vorweg, Spoiler sind selbstredend an allen Ecken und Enden zu finden.

Bekannte Gesichter, unbekanntes Umfeld

Die Serie beginnt in schwarz-weißem Bild gehalten, zum Retro-Soundtrack sehen wir Saul (Bob Odenkirk) das erste Mal. Anders sieht er aus, als wir ihn in Erinnerung haben, mit Kappe, Brille und Schnäuzer, er arbeitet in einer Mall bei Cinnabon. Ängstlich schaut er durch die Massen, wirkt unruhig. Später am Tage betritt er seine Wohnung, er wohnt alleine. Kurz einen Drink angerichtet platziert er sich auf dem Sessel vor dem Fernseher, schiebt eine Videokassette ein und wir hören die altbekannten Werbeslogans: „Better call Saul“.

Schnitt. Farbe kommt ins Spiel, wir finden uns offensichtlich in einer anderen Zeitebe wieder. Wir befinden uns in einem Gerichtssaal, betretenes Schweigen, keiner bewegt sich, bis ein Polizist den Raum verlässt. Im Bad findet er Saul, noch unter dem Namen Jimmy McGill. Was folgt ist ein peinlicher Versuch der Verteidigung, mit Biegen und Brechen bemüht sich Jimmy seine drei Mandanten vor dem Gefängnis zu bewahren. Ohne ein Wort zu verlieren zieht sein Gegenspieler einen Fernseher durch den ganzen Raum, startet ein Video und entblößt die drei Verdächtigen während sexuellen Machenschaften an einem abgetrennten Kopf in einer Leichenhalle. Der Fall ist klar: Verurteilung.
Während dieser kompletten Szene schwingt eine unglaubliche Prise Humor mit. Und genau das ist für mich bis jetzt die Stärke dieser Serie. Mit Saul haben wir einen äußerst skurrilen Charakter, der es dem ersten Eindruck nach zu urteilen spielend schafft eine eigene Serie auf seinen Schultern zu tragen.
Der Grad zwischen Fanservice und eigenständiger Unterhaltung wird dabei gut gehalten. Als Saul den Parkplatz verlassen möchte gerät er in einen Konflikt mit einer Person. WIr sehen sie nicht, hören nur die Stimme. Fans der Serie werden ihn jedoch erkennen. Es ist Mike Ehrmantraut. Noch keine Anzeichen von Partner- geschweige denn Freundschaft.

Doch zurück zu unserem Protagonisten. Er hat Geldprobleme, sein Büro befindet sich in einem Hinterraum eines asiatischen Pflegestudios. Eingefangen mit einer wunderbaren Kameraperspektive wird klar wie klein dieses ist.
Doch die Post könnte Abhilfe schaffen, sie enthält einen Check, über 20.000$ soll der einbringen. Statt sich zu freuen, zerreisst er eben diesen und macht sich ohne Umwege auf den Weg zu einer erfolgreichen Anwaltskanzlei. Ein Streitgespräch über Chuck bricht aus. Jimmy möchte Chuck Anteil abkaufen, alle anderen Beteiligten scheinen von besagter Idee jedoch nicht sehr begeistert.
Eben diesen Chuck dürfen wir dann in der nächsten Szene kennenlernen. Sein Bruder ist ein ungewöhnlicher Zeitgenosse, das Handy soll außen abgelegt werden, er möchte sich nicht aus der Firma auskaufen lassen und rät Jimmy zu einem Namens- und damit Identitätswechsel.

Auf dem Pfad zur Illegalität

Während der ersten Folge trifft Jimmy auf zwei junge Skater-Brüder. Ihr dreckiges Tagesgeschäft besteht daraus unwissenden Autofahrern vor’s Gefährt zu springen. Folgend drohen sie den Erschreckten mit der Polizei, zeigen aber den Ausweg auf sich freizukaufen. Saul lässt sich jedoch nichts aufquatschen und kontert diesen verbalen Angriff mit den schönen Worten :

The only way that entire car’s worth 500$ is if there’s a 300$ hooker sitting in it!

Vom Opfer zum Mittäter; als gemeiner Geschäftsmann schmiedet er einen Plan und möchte mit den beiden Jungs seinen Profit schlagen, Der Plan geht doch kolossal schief, die beiden Jungs haben nur noch Profit vor Augen und lassen sich in das Haus eines Unbekannten locken.
Auch Saul ist den beiden auf den Versen und wittert das große Geld. Begrüßt wird er von einem weiteren alten Bekannten: Tuco Salamanca.

Der Saul Goodman aus alten Breaking Bad- Zeiten –  den wohl der Großteil der Zuschauer kennen wird – schimmert immer wieder durch. Die lockere Art, die Fähigkeit alles und jeden in Grund und Boden zu quatschen. Noch haben wir es allerdings mit einem ganz anderen Menschen zu tun. Und so weit ist der Ableger dabei gar nicht von seinem Serien-Vater entfernt. Der Hauptcharakter ist ein totaler Loser, kein Vorbild, keine coole Sau. Eher zu bedauern, als wirklich zu bewundern. Wie wir alle wissen wird sich das sowohl bei der titelgebenden Hauptfigur dieser Serie, wie auch bei Walter White im Laufe der Zeit ändern. Beide scheinen in die Abgründe der illegalen Welten abzutauchen. Klar ist jedoch jetzt schon: Better Call Saul wird einen gänzlich anderen und eigenständigen Weg einschlagen. Und das ist auch gut so! Witziger und voller dunklem Humor kommt der Pilot daher.
Das Cold Opening dieser Folge wirkte jedenfalls sehr einladend und erinnerte mich gleich an die Qualitäten, die die Serienmacher nun mal mit sich bringen.

Pilotfolgen sind meist ja eher ein wenig problematisch und stehen vor der schwierigen Aufgabe einerseits die Welt und sämtliche Charaktere einzuführen, andererseits aber auch die Unterhaltungskomponente nicht zu vernachlässigen. Diesen Spagat hat die erste Folge bisher gut gemeistert. Bleibt abzuwarten wie sich die Serie in den folgenden Folgen entwickelt, ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass Bob Odenkirk es schaffen wird dem Charakter neben der Prise Komik auch Dramatik und Tiefe verleihen zu können, fähig dazu ist er allemal. 

Bei Serien und besonders einzelnen Folgen tue ich mich immer etwas schwer eine klare Wertung zu finden. Meiner Meinung nach sollte eine Staffel immer im Ganzen betrachtet werden – wenn es natürlich während einer solchen zahlreiche „auf’s“ und „ab’s“ gibt, auch durch wechselnde Regisseure – , deshalb werde ich Serien vorerst nicht mit einem Punktsystem bewerten und in diesem Fall einfach sagen, dass ich positiv gestimmt bin. Die erste anfängliche Skepsis ist verflogen und ich freue mich auf die nächsten Folgen. Mal sehen was AMC noch für uns bereit hält. Bis zur nächsten Folge werd ich mal wieder in Breaking Bad reinschauen, und wenn’s nur zum Einschlafen ist, allein darauf hat der Pilot nämlich schon Lust gemacht. Das kann ja schon mal nichts ganz schlechtes heißen.

PS: Ich hoffe Mike Ehrmantraut betritt schnellstmöglich wieder die Bildfläche. Schon zu Breaking Bad- Zeiten war er einer meiner Lieblingscharaktere.


Hier kommt ihr zur Recap-Startseite und erreicht leicht die Recaps der weiteren Folgen!

Und das ist die zweite Episode!

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2 Gedanken zu “Recap: Better Call Saul „Uno“ S1E01

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