Guardians of the Galaxy

Anders sollten sie sein, nicht so funktionieren wie die hocherfolgreichen und glänzenden Avengers. Etwas aus der Reihe des gewaltigen Marvel-Kosmos tanzen und frischen Wind bringen. Zum Teil ist das auch gelungen, die „Guardians of the Galaxy“ waren bis vor kurzem wohl den wenigsten Menschen ein Begriff. Im Comicuniversum nahmen sie neben popkulturell allgegenwärtigen Helden wie Iron-Man oder dem Hulk eher eine Nebenrolle ein, so wussten wohl höchstens Comicliebhaber was auf uns zukommen würde.
Disney ging also das Wagnis ein und setzte uns diese Truppe voller zwielichtiger Charaktere vor die Nase, ohne vorher auch nur Mitglied in einem eigenständigen Film vorzustellen, wie Marvel das sonst so gerne tat und auch zu genüge noch tun wird. Doch steckt hinter dieser Aktion wirklich so viel Mut und Risiko wie so oft dargestellt oder ist der Film am Ende doch „normaler“ als er es gerne sein möchte ?

Wir lernen unseren Helden Peter Quill (Chris Pratt) in einem seiner wohl verletzlichsten Momente kennen, noch ein kleiner Junge, sitzt er im Krankenhaus, hat Kopfhörer auf und hört sich seinen Awesome-Mix auf Kassette an. Voll beladen mit Musik aus den 70-80er Jahren ist das insofern schlau gelöst, als dass die Musik den Film nicht nur durch einen super Soundtrack unterstützt, es gleichzeitig den einzigen Bezugspunkt zu unserer Welt darstellt, wie wir sie heute kennen. Es ist der emotionale Dreh- und Angelpunkt, der uns greift, über den wir Emotionen zu den zahlreichen Charakteren von oft nicht menschlicher Herkunft aufbauen.
Peter muss hier die letzten Atemzüge seiner Mutter miterleben, stürmt aus dem Gebäude und wird von einem Raumschiff entführt.
Jahre später ist er als Mann in der intergalaktischen Kriminalität angekommen. Von fragwürdigen Auftraggebern angeheuert macht er sich auf Beutezüge um mysteriöse Schätze aufzufinden, gerne möchte er dabei als „Starlord“ in Erinnerung bleiben.
Als er dann einen ungewöhnlichen Stein in seinen Besitz bringt, ruft das zahlreiche Verfolger auf den Plan. Der Bösewicht Ronan hat seine Fühler nach ihm ausgestreckt und versucht ihm den Stein abzunehmen. Außerdem ist das ungewöhnliche Kopfgeldjäger-Team um Waschbären Racket Raccoon und den lebendigen Baum Groot, als auch die kämpferische Gamora (Zoe Saldana) hinter ihm her. Doch schnell finden sich alle zusammen hinter Gittern wieder, hier schließen sich die eigentlichen Feinde zusammen, lernen den brutalen Drax the Destroyer (Dave Bautista) kennen und müssen zusammen versuchen einen Ausweg zu finden.

Die Geschichte ist für Comic-Unwissende anfangs etwas schwer zu durchschauen. Lange ist einem nicht ganz klar was genau der gefundene Stein darstellt und wieso er so unglaublich wichtig und mächtig sein soll. Deshalb bleiben auch die Motivationen der „Bösen“ leicht unklar, mir fehlten da teils ein wenig die Hintergründe, viel mehr als der klaren Identifikation des „Bösen“ passiert da nämlich nicht. Man weiß nicht wieso sie das Universum zerstören wollen und vielleicht sollte man das in diesem Film auch gar nicht großartig hinterfragen. Der Film ist nämlich vor allem eins: Pures Unterhaltungskino.
Dabei nutzt er aber eben doch wieder die mittlerweile allseits bekannte Marvel-Formel. Abgesehen davon, dass unsere Helden optisch einfach weniger heldenhaft sind, gibt es sonst eher wenig Unterschiede zu anderen Produktionen. Begleitet von jeder Menge Action führt uns das gewöhnungsbedürftige Team durch die Handlung. Die Figuren haben immer einen flotten Spruch auf den Lippen und bringen eine gut gelungene Portion Humor mit. Auch wenn das durchaus gelungen ist, wird man das Gefühl jedoch nicht los, als sei das alles ziemlich berechnend.
Die Chemie der Truppe ist jedoch super. Sie sind alle nicht auf den Mund gefallen ( außer der Baum Groot, der einzig und allein „I am Groot“ sagen kann) und irgendwie sympathisch. Dave Bautista als Drax the Destroyer merkt man jedoch an, eigentlich kein Schauspieler, sondern Wrestler zu sein. Seine Rolle wurde allerdings angenehm seinen Fähigkeiten vor der Kamera angepasst.
Ich kann nur empfehlen den Film im O-ton zu sehen, allein schon Bradley Coopers Stimme als krimineller Waschbär ist so viel frischer und frecher als die deutsche Synchro.

Optisch wird ordentlich in die Trickkiste gegriffen. Fast 80-90% scheinen vor dem Greenscreen gedreht worden und es wird alles ausgereizt, was es auszureizen gibt. So gibt es viele Slow-Motions, ein gelungenes 3D und haufenweise intergalaktischer Städte und Planeten. Das Highlight bildet dabei klar eine Luftschlacht von immensen Ausmaßen. Um einiges beeindruckender wird das ganze wohl auf der großen Leinwand gewesen sein, ich habe das ganze jedoch nur auf Blu-Ray gesehen.  Fast schade finde ich, dass alles so offensichtlich voller CGI ist, wahrscheinlich absichtlich soll das ganze so mehr Comicartig wirken, mir persönlich gefallen Effekte a la Interstellar doch um Welten besser. Besonders enttäuscht war ich von dem Alien-Design, sie sind nämlich zu eingefärbten Menschen verkommen (Ich weiß nicht inwiefern das der Vorlage entspricht). Auch das Motion-Capturing, hier in Form des Waschbären haben wir schon eindrucksvoller gesehen.

Die Guardians sind insgesamt also gar nicht so besonders wie sie gerne sein würden. Deutlich folgen sie den Marvel-Richtlinien was Storytelling und Selbstironie angeht. Ich habe nach allem was ich vorher gesehen und gehört hatte auf einen weniger glatten, weniger berechnenden, dreckigeren Film gehofft. So gab es einen Avengers-like Film, der den gleichen Regeln folgt, insgesamt aber irgendwie weniger eindrucksvoll und imposant daherkommt. Natürlich haben wir es trotzdem mit keinem schlechten Film zu tun, Marvel sorgt in Zusammenarbeit mit Disney mit erschreckend hohen Budgets  – die Guardians kosteten wohl rund 170 Mio. $ – für ein durchweg solides bis gutes Niveau. Allein die Berechenbarkeit lässt die FIlme der Superheldenfilme langsam aber sich langweilig werden. Man wird sehen inwiefern sich dahingehend eine früher oder später notwendige Änderung einstellt. Noch sind ihre Filme jedoch so erfolgreich wie sonst fast keine im Geschäft. Mit Einnahmen von 774,176,600 $ in den Kinos dieser Welt kann man das Projekt „Guardians of the Galaxy“ durchaus als gelungen erklären, dementsprechend ist längst ein zweiter Teil angekündigt und hat auch schon einen Starttermin: den 05. Mai 2017.


Weniger außergewöhnlich und vorhersehbarer als gewollt kommen die „Guardians of the Galaxy“ daher. Nichts desto trotz nicht weniger unterhaltsam als andere Marvel-Erzeugnisse, ein netter Blockbuster für die ganze Familie.

Bewertung : 7/10


Guardians of the Galaxy Filmplakat Marvel Studios ©

Guardians of the Galaxy Filmplakat
Marvel Studios ©

Regisseur: James Gunn

Schauspieler: Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Vin Diesel, Bradley Cooper
Laufzeit:121 min
Erscheinungsdatum: 28. August 2014 

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3 Gedanken zu “Guardians of the Galaxy

  1. Ich habe den Film in 3D im Kino gesehen und muss sagen das die Optik natürlich entsprechend dem hohen Budget bombastisch war. Auch wenn ich von den Comics vorher noch nichts hörte habe ich mich köstlich amüsiert. Unterhaltungs-Kino vom feinsten. Einschalten – Hirn auschalten – Lachen!

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    • Dass der im Kino seine Wirkung entfalten konnte glaube ich dir sofort, ist eben doch nochmal was anderes, auch wenn die heimische Glotze schon recht groß ist. Hatte trotzdem Spaß mit dem Film, in meine Sammlung würde er es aber nicht schaffen :p

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