Feuerwerk am helllichten Tage

Das asiatische Kino ist hierzulande ja eher unbekannt und läuft größtenteils unter ferner liefen. Auch ich hab diese Sparte des Films lange ignorant missachtet, bis ich vor etwa einem Jahr dann den hervorragenden „Oldboy“ (natürlich das Original, nicht das Remake!) zu Gesicht bekam. Schnell wurde mir klar, dass asiatische Filme anders funktionieren als ihr westliches Gegenstück, aber  einige unentdeckte Perlen unter ihnen weilen.

So wurde ich hellhörig, als das chinesische „Feuerwerk am helllichten Tage“ im letzten Jahr die Auszeichnung für den besten Film  der Berlinale gewinnen konnte. Mit dementsprechender Erwartungshaltung ging ich an den Film heran, wurde jedoch enttäuscht, ist dies doch eher einer der schwächeren Vertreter fernöstlicher Filme, die ich bis dato gesehen habe.

Wir befinden uns im Jahr 1999, Schauplatz der Geschehnisse ist eine Provinz in China. Laster voller Kohle werden transportiert, an ihrem Zielort ist der Schrecken groß: es werden Leichenteile entdeckt. Doch das Ganze ist kein Einzelfall, überall verstreut in der Provinz werden Körperteile von Leichen gefunden.
Recht schnell kommt ein Team von Ermittlern den Tätern auf die Spur und schafft es sie zu stellen. Die Festnahme geht jedoch alles andere als reibungslos vonstatten und endet in einem Massaker. Zwei der vier Polizisten werden erschossen, einer schwer verletzt. Auch die beiden Kriminellen überleben den Zwischenfall nicht. Zhang Zili (Fan Liao, mit einem silbernen Bären ausgezeichnet) kommt jedoch nicht nur mit körperlichen Verletzungen davon. Traumatisiert verliert er seinen Job bei der Polizei, stürzt in ein ernstzunehmendes Alkoholproblem und steht auch in seinem neuen Job als Sicherheitsmann in einer Fabrik nicht sehr gut da.
Fünf Jahre sind vergangen seitdem man die zerstückelten Leichenteile fand und erneut geschehen Straftaten nach einem ähnlichen Muster. Zhang unterstützt seinen ehemaligen Kollegen und fängt an privat zu ermitteln, bis ihn die Spur zu der mysteriösen Wu Zhizhen (Lun-mei Gwei) führt.

Feuerwerk am helllichten Tage © Weltkino

Damit befinden wir uns ziemlich eindeutig im Film-Noir. Die Hauptfigur ist ein Antiheld. Er trinkt, raucht, wird von seiner Umgebung schief angeschaut und scheint eine Schwäche für die mysteriöse, stille Femme Fatale zu haben. Auch optisch ist der Film in diese Richtung einzuordnen. Oft begeben wir uns durch verschneite Szenerien oder dunkle Gassen. Unterstützt wird das Ganze von einer teils wunderbaren Kamera. Ruhig verfolgt sie den Privatermitller und erzeugt teilweise surreal wirkende Bilder. Wenn Zhang Zili mit Wu Zhizhen eislaufen geht, sieht das zugleich wunderschön, aber auch gespenstisch aus. Wundersam gleitet die rätselhafte Dame über das Eis.

Die Geschichte ist nicht die komplexeste und wer ein wenig Erfahrung hat mit solchen Thrillern hat, wird das Ende wohl relativ früh abschätzen können. In den Grundzügen finde ich sie jedoch interessant. Dennoch offenbart sich hier das  größte Manko des Films. Teils wirkt er  sehr konfus und generisch geschnitten. Oft hat man das Gefühl mitten aus einer Szene in die nächste geworfen zu werden.
Ein Beispiel: Unsere Hauptfigur verfolgt einen vermeintlich verdächtigen Mann, der einen seiner Kollegen ermordet haben soll. Das ganze spielt sich in einer Art Tanzhalle ab und der Verdächtige verschwindet um die Ecke, benutzt dann die Treppe und gelangt ins nächste Stockwerk. Zhang verfolgt ihn auf dem Weg nach oben, doch auf halbem Weg kommt ein harter Schnitt. Plötzlich sehen wir einen Lasterinnenraum der entladen wird, zwischen dem dort deponiterten Eis befinden sich Leichenteile. Das ganze wirkt nicht wie ein gezielter Sprung in die nächste Szene, fast als wäre der Film ursprünglich länger gewesen und im Nachhinein um einiges gekürzt worden, ob das freiwillig war oder der Film der chinesichen Zensur zum Opfer gefallen ist, weiß ich dabei nicht. Das ist schade, macht es doch die Atmosphäre ein wenig kaputt.
Die Schauspieler machen einen soliden Job. Lun Mei Gwei als Femme Fatale agiert mir teils jedoch zu teilnahms- und emotionslos. lässt nur ab und an ihr eigentliches Talent aufblitzen. Wirklich wichtig sind einem die Charaktere dabei zu keiner Zeit, wodurch auch die Spannung ein bisschen auf der Strecke bleibt.
Ich halte den Preis für den besten Film der Berlinale nicht unbedingt für angemessen, fast wirkt es, als solle dieser Preis repräsentativ dem hierzulande unterschätzten asiatischen Kino gelten. Da schlummern definitiv noch ein paar sehenswertere Filme.


Ein ruhiger Film mit grundlegend interessanter Story. Optisch teilweise super und auch schauspielerisch grundsolide. Wirkt teils leider recht konfus durch eher fragwürdige Schnitte, das lässt sowohl Geschichte, als auch Atmosphäre einbüßen.

Bewertung: 5,5/10


Feuerwerk am helllichten Tage © Weltkino

Feuerwerk am helllichten Tage © Weltkino

Regisseur: Yi’nan Diao

Schauspieler: Fan Liao, Lun Mei Gwei, Xuebing Wang
Laufzeit: 106 Minuten
Erscheinungstermin:24.07.2014

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s