The Imitation Game

Are you paying attention?
Good. This is going to go very quickly now. If you are not listening carefully, you will miss things. Important things. What I will need from you now is a commitment. You will listen closely, and you will not judge me. When I am finished — when I have told you that I am finished — you are free to think whatever you like. But until then, you will trust that while this story will be hard for you to understand, everything I am saying I am saying for a reason. This will go quite fast now. And that is the last time I will repeat myself. Pay attention.

So beginnt der Film mit Benedict Cumberbatch’s Worten in einem Verhörraum. Ein kluger Schachzug, denn natürlich ist hiermit eigentlich sein Gesprächspartner gemeint, doch auch wir als Zuschauer fühlen uns angesprochen. „The Imitation Game“ beginnt hier, ähnlich wie die andere aktuelle Biographie  „Theory of Everything“,  mit einer Szene gegen Ende des Films, um 11 Jahre in der Chronologie zurückzuspringen und dramaturgisch einen Bogen zu spannen.
Es ist das Jahr 1939, just erklärte Großbritannien Deutschland den Krieg, wie uns der rufende Zeitungsjunge lautstark mitteilt. Der Mathematiker Alan Turing (Benedict Cumberbatch)  eilt durch einen Londoner Bahnhof, er befindet sich auf dem Weg nach Bletchley. Nach Anfangsschwierigkeiten wird Turing dort Teil der wohl wichtigsten strategischen Handlung des zweiten Weltkrieges. Seine Aufgabe: Die Entschlüsselung des Enigma-Codes. Diese Verschlüsselung wird täglich um punkt Zwölf geändert, sämtliche Funksprüche der Deutschen sind auf diese Art gesichert. Ist dire Code geknackt, werden Angriffe vorherseh- und abwendbar.
Dieses schwierige Unterfangen wird zur wichtigsten Aufgabe im Leben des Mathematikers, soll die Lösung doch Millionen von Menschenleben vor dem grausamen Tod bewahren.

 

Oft sind Biopics über dramatische Persönlichkeiten ein gefundenes Fressen für die Academy Awards, grade für Schauspieler scheint eine solche Rolle meist sehr erfolgsversprechend. So auch dieses Jahr, „The Imitation Game“ gilt mit ganzen 8 Oscarnominierungen (bester männlicher Hauptdarsteller, beste weibliche Nebenrolle, bestes adaptiertes Drehbuch, bester Regisseur, bester Film etc.) als einer der Favoriten im Rennen um die begehrten goldenen Statuen.
Dabei ist besagter Film nicht sonderlich experimentierfreudig, sogar recht konventionell. Relativ ruhig, ja fast distanziert, erzählt er die Geschichte rund um den tragischen, lange verkannten Kriegshelden Alan Turing. Dieser war seiner Zeit um einiges voraus und hatte deshalb mit starkem Widerständen zu kämpfen. 2011 als eins der vielversprechendsten unveröffentlichten Drehbücher betitelt, zahlte die Weinstein-Company eine Rekordsumme von 7 Mio. $, um es auf die Leinwand zu bringen und erbringt Turing postum seine wohlverdiente Aufmerksamkeit.

Anfangs nur ein kleiner Teil der Organisation rund um den Enigma-Code, verfolgt Turing einen anderen Ansatz als seine Kollegen. Während diese manuell versuchen, den Code zu knacken, macht sich der geniale Mathematiker daran, eine Maschine zu entwickeln, die automatisch die schier unendlich scheinende Anzahl von Dechiffriermöglichkeiten abarbeitet.
Mit diesem Unterfangen eckt er nicht nur  bei seinen Kollegen, sondern auch seinen Vorgesetzten an. Am Rande seiner weiteren Beschäftigung schickt er persönlich einen Brief an Churchill und wird kurzerhand zum Leiter der Organisation erklärt.

Dabei ist der Visionär nicht nur unglaublich intelligent, sondern innerlich zerrissen und ein Soziopath. Diese Rolle  verkörpert Cumberbatch hervorragend und liefert die vielleicht beste Performance seiner Karriere. Doch wird man das Gefühl nicht los, er feuere hier ein weiteres Mal die Sherlock-Show ab, erneut spielt er eine hochintelligente, jedoch im Umgang mit Menschen verkümmerte Figur. Das ist zwar beeindruckend, kennen wir aber schon vom erfolgreichen Briten. Nichts desto trotz hat sein Schauspiel einen enormen Impact, wenn der sonst recht kühl agierende Turing gegen Ende gebrochen sowohl psychisch, als auch körperlich direkt am Abgrund zu stehen scheint.
Auch der restliche Cast ist durch  die Bank weg gut besetzt – allen voran Charles Dance sehe ich unglaublich gerne, nachdem ich ihn während Game of Thrones hass-lieben gelernt habe – wirkt jedoch fast blass, Cumberbatch stiehlt allen die Show. Auch die ebenfalls nominierte Keira Knightley agiert einwandfrei, jedoch nicht über alle Maßen hervorragend. An einen Gewinn ihres Preises glaube ich nicht.

Mit dem Erscheinen Joan Clarke (Keira Knightley) tritt im Film eine Art Wendung ein, sie weckt Turing’s Zwischenmenschlichkeit und hilft ihm, seine Kollegen auf seine Seite zu ziehen. Dies gelingt mit Bravour, recht schnell stehen seine Mitstreiter hinter ihm und seiner Idee der automatisierten Maschine, ja stehen sogar für ihn ein.

Dabei berühren die doch sehr menschlichen Probleme des Ausnahmetalents. Schon immer schwer im Umgang mit anderen Menschen, spiegeln regelmässige Rückblicke in Alan’s frühe Jugend seine aktuellen Probleme wieder. Nicht nur ein Aussenseiter, er war auch homosexuell. Zur damaligen Zeit strafrechtlich verfolgt in England, hat er somit mit seiner Sexualität zu kämpfen. Dieser Teil seiner Biografie nimmt sich angenehm zurück und wird nur so stark ausgeführt wie nötig. Hier hätte sich der Film leicht zu einem melodramatischem, schwer aufgesetzt wirkendem Drama entwickeln können. Das tat es glücklicherweise nicht. Der Fokus liegt hingegen auf dem Krieg und und Alan’s persönlichen Kämpfen. Die Dringlichkeit dieser Angelegenheit wird regelmäßig durch animierte Kriegssequenzen dargestellt, diese hätte es wohl nicht gebraucht. Teils wirken sie sogar etwas deplaziert.


 

Höchst interessantes Biopic über einen verkannten Kriegshelden, der nun endlich seine verdiente Aufmerksamkeit bekommt. Tolles  Schauspielkino, bleibt meist jedoch relativ gewöhnlich und zeigt minimale Längen. Von mit trotzdem eine Kinoempfehlung.

Bewertung: 7/10


imitation_game_ver6

Regisseur: Morten Tyldum

Schauspieler: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Charles Dance, Mark Strong
Laufzeit: 114 Minuten
Erscheinungstermin: 22.01.2015

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2 Gedanken zu “The Imitation Game

  1. Mir hat der Film auch sehr gut gefallen. Ich finde nicht, dass Benedict Cumberbatch die „Sherlock-Show“ abgezogen hat. In meiner Filmkritik (https://filmkompass.wordpress.com/2015/01/30/the-imitation-game-2014/ ) gehe ich darauf ein, dass Cumberbatch nämlich nicht – wie permanent propagiert wird – immer nur Genies und helle Köpfe spielt. Ich glaube auch nicht, dass Keira Knightley einen Preis gewinnt, ich gehe sogar davon aus, dass IMITIATION GAME heute nacht bei den Oscars groß verlieren könnte. Die Konkurrenz aus BOYHOOD und BIRDMAN, die auch visuell sehr stark ist, wird den doch recht konventionell erzählten Film von Morten Tyldum blass aussehen lassen.

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    • Hallo und danke für deinen Kommentar 🙂
      Natürlich spielt er nicht nur das einsame, sozial etwas zurückgebliebene Genie. Grade in jüngster Vergangenheit hat er auch in „Im August in Osage County“ gezeigt, dass er sehr wohl auch anders kann. Ich schätze Cumberbatch als Schauspieler sehr, nichts desto trotz sind seine aufsehenerregenden Rollen in letzter Zeit doch ziemlich ähnlich. Aber seien wir mal ehrlich, wenn er das nunmal so grandios verkörpern kann, wieso dann nicht ausnutzen?
      Ebenso wie du glaube ich, dass der Film heute Nacht als gnadenloser Verlierer die Bühne verlassen wird. Ich denke – wenn überhaupt – wird die Kategorie Bestes adaptiertes Drehbuch eine Möglichkeit für den Preis sein.
      Grade im Rückblick find ich das aber auch in Ordnung. Ich mochte den Film zwar gerne, aber das wirkte für mich alles zu berechnend. Wie eine To-Do-Liste die nach und nach abgehakt wurde. Sehr zurückhaltende Regie.

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